Lernen ohne Schule

40 Schüler zwischen 2 und 18 Jahren gehen im Markhof in Wien Landstraße zur Schule. Ganz stimmt das aber nicht, denn eine Schule ist das, was man hier findet, offiziell nicht. Die Kinder, die hier von Montag bis Donnerstag acht Stunden am Tag lernen, werden offiziell zuhause unterrichtet. Die Gründer sprechen deshalb von einem Colearning-Zentrum.

Keine Hausübung, keine Schulfächer, keine Lehrer

Umgeben von Unternehmen, die sich im selben Gebäude befinden, sollen sich hier Kinder und Jugendliche aller Schulstufen den Schulstoff selbst aneignen - wann und wie sie wollen. „Freilernen“ heißt diese Methode. Hier gibt es keine Hausübung und keine Noten, nicht einmal Lehrer findet man im Markhof. Stattdessen stehen den Kindern sogenannte Lernbegleiter zur Seite. Erwachsene, die ihnen beim Lernen helfen sollen, und - wie Projektleiter Roland Dunzendorfer sagt - „ein Lernfeld aufmachen, in dem sich die Kinder frei bewegen können“. Dafür brauche es keine pädagogische Ausbildung. „Ein guter Lehrer muss nicht studiert haben“, so Florian Kaindl, 23-jähriger Lernbegleiter im Markhof.

Lernen wie man willl

Auch Fächer gibt es hier im Lernzentrum keine. Man lernt hier geblockt für einen Zeitraum. „Wenn man will, kann man auch ein Jahr lang nur Englisch lernen“, erklärt der 6-jährige Marcel. Jetzt gerade befassen sich einige Schüler etwa einen Monat lang mit Geografie. Den Stoff können sie aufarbeiten, wie und wann sie wollen. Zum Beispiel, indem sie darüber einen Film machen, oder sogar ein Buch schreiben.

Methoden-Mix               

Im Markhof wird ein Methoden-Mix praktiziert. Ein bisschen Waldorf, ein bisschen Montessori. Umstritten ist jedoch das Lernen mit Schaubildern und Lernbegleitern, wie man es auch aus den viel kritisierten russischen Schetinin-Schulen kennt, die für ihren nationalistischen, militärischen Stil bekannt sind. Oder auch aus den, davon inspirierten Kärntner „LAIS-Schulen“, wo ebenfalls „das natürliche Lernen“ praktiziert wird. Grundgedanke dieser Schulmodelle ist, dass Kinder über ein natürliches Wissen verfügen, das sich früher oder später von alleine entfaltet. Auf Nachfrage distanziert sich Dunzendorfer von den LAIS-Schulen, da sie „zu viel versprechen würden“. Etwa, dass man in nur vier Tagen den gesamten Maturastoff erlernen könne.  Das sei einfach nicht möglich, so Dunzendorfer.

Tipp: Experten des klassischen Schulsystems sehen „Freilernen“ kritisch. Hier geht es zum Interview mit dem Schulexperten Stefan Hopmann von der Universität Wien.

Einmal im Jahr Prüfung

Ganz unberührt von schulischen Methoden bleiben die Kinder aber auch hier im Markhof nicht. Denn der Staat sieht vor, dass Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, einmal im Jahr eine Externistenprüfung ablegen müssen. Somit soll garantiert werden, dass sie den Schulstoff beherrschen. An welcher Schule man diese macht, das steht jedoch jedem frei.