Hongkong-Proteste: Der Organisator im Interview

Yik Mo Wong ist Mitglied der Civil Human Rights Front, die Organisation, die hinter den Anti-Regierungs-Protesten in Hongkong steht. In einem Interview mit Lisa Gadenstätter erzählt er von den Zielen, Forderungen und Ängsten der Demonstranten in Hongkong.

Unverhältnismäßige Polizeigewalt

Immer wieder gibt es bei den Protesten gewaltsame Zusammenstöße. Die Polizisten setzen Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein. Aber nicht nur die Polizei wendet Gewalt an, auch die Demonstranten attackierten Polizeiwachen und werfen mit Steinen.

„Wir organisieren immer nur friedliche Demonstrationen“, sagt Wong. „Aber es kommen auch Radikale.“ Die Gewalt der Demonstranten sei aber nicht mit der Polizeigewalt vergleichbar. „Die Polizisten haben 800 Tränengaskanister an einem Tag eingesetzt, das ist unglaublich“, sagt Wong.

Die Angst vor China

„Natürlich haben wir Angst, dass das chinesische Militär nach Hongkong kommt“, sagt Wong. Chinas Regierung hat am Dienstag bekanntgegeben, dass sie den Einsatz von Soldaten nicht ausschließen.

Wong glaubt aber nicht, dass China tatsächlich in Hongkong einmarschieren wird. Dafür seien die Handelsbeziehungen zwischen Hongkong und China zu wichtig. Der 33-Jährige befürchtet, es könnte Krieg geben, sollte es tatsächlich zu einem Militäreinmarsch Chinas kommen.

Die Protestbewegung

Entzündet haben sich die Proteste an dem umstrittenen Auslieferungsgesetz, das Regierungschefin Carry Lam mit China abschließen wollte. Das Gesetz würde es ermöglichen, verdächtige Personen von Hongkong nach China auszuliefern. Lam hatte das Gesetz aufgrund der Proteste zurückgezogen.

Mittlerweile hat sich die Protestbewegung allerdings ausgeweitet. Die Demonstrationen richten sich gegen die pro-chinesische Regierung. Die Protestbewegung fordert eine Demokratisierung Hongkongs, den Rücktritt von Carry Lam und freie Wahlen.