Eine Ära geht zu Ende

Der bolivianische Präsident Evo Morales hat am Sonntag in einer Fernsehansprache seinen Rücktritt verkündet. Morales sprach diesen aus, nachdem der politische Druck durch die anhaltenden Massenproteste im Land zu groß wurde. Kurz zuvor hatte Morales noch Neuwahlen versprochen. Die Armee- und Polizeiführung forderte ihn aber zum Rücktritt auf. Fast 14 Jahre hielt er sich als erster indogener Präsident an der Spitze Boliviens.

Spekulationen um Wahlbetrug

Nach der Präsidentenwahl am 20. Oktober war es zu wochenlangen Protesten gekommen, nachdem die Opposition Morales Manipulationen vorgeworfen hatte. Morales gewann die Wahl mit 45,3 %, während sein Herausforderer Carlos Mesa auf 38,2 % kam. Da die Ergbnisaktualisierung aber für 24 Stunden unterbrochen war, erkannte die Opposition das Ergebnis nicht an.

Kanditur nicht legitim

Morales wollte für eine vierte Amtszeit antreten. In Bolivien waren aber bisher nicht mehr als zwei aufeinander folgende Amtszeiten erlaubt. Bei einem Refenderum 2016 wurde eine Verfassungsänderung, die dem Präsidenten des Landes mehr als zwei aufeinander folgende Amtszeiten erlaubt hätte, abgelehnt. Morales durfte legal also gar nicht mehr kandidieren. Dennoch wurde ein erneutes Antreten von Morales durch das bolivianische Verfassungsgericht erlaubt.

Vom Kokabauer zur Galionsfigur

Evo Morales hat den Andenstaat seit 2006 tiefgreifend umgestaltet. Der frühere Koka-Bauer, der zur Galionsfigur der südamerikanischen Linken aufstieg, bescherte dem Land eine ungewöhnlich lange Periode der Stabilität und des Wirtschaftswachstums. Der selbst aus armen Verhältnissen stammende Morales setzte sich vor allem für sozial Schwächere ein. Kritiker warfen ihm jedoch immer wieder einen autoritären Führungsstil, sowie populistische Rhetorik vor.

Unruhen halten an

Nach dem Rücktritt des Staatschefs Evo Morales hat die Chefin des bolivianischen Senats, Jeanine Anez, das Amt als Interimspräsidentin angetreten. Die Anerkennung durch die Abgeordneten blieb ihr allerdings verwehrt. Die zweite Nacht in Folge gingen nun aufgebrachte Anhänger Morales’ auf die Straße. Die USA begannen bereits, ihr Personal aus dem Land abzuziehen.