Erste Bilanz zum neuen Erwachsenenschutzgesetz

Seit Juli 2018 ist das neue Erwachsenenschutzgesetz in Kraft. Das Gesetz wurde von allen Parteien im Parlament einstimmig beschlossen und wird auch vom Vertretungsnetz begrüßt, dennoch erweist sich die Umsetzung als schwierig. „Bei uns haben sich im Vergleich zum Vorjahr die Beratungen mehr als verdoppelt und es gibt schon einen leichten Rückstau“, sagt Christian Aigner vom Vetretungsnetz in Wien.

52.000 bestehende Sachwalterschaften müssen überprüft werden

Anstelle der Sachwalterschaft gibt es nun unterschiedliche Arten der Vertretung: Darunter fallen die gewählte, die gesetzliche und die gerichtliche Erwachsenenvertretung. Die Betroffenen werden nicht mehr in allen, sondern nur in gewählten Angelegenheiten vertreten. Außerdem wird alle drei Jahre überprüft, ob die Vertretung noch notwendig ist.  Vor allem die Überprüfung der Altsachwalterschaften (Fälle, die bereits vor der Gesetzesänderung bestanden haben) erfordert viele Ressourcen.

Umstellung erfordert mehr Ressourcen und Arbeit

Wenn Personen nicht selbst über ihre Finanzen entscheiden können und es keine Angehörigen gibt, die diese Aufgabe übernehmen, werden Erwachsenenvertreter herbeigezogen. Meistens handelt es sich hierbei um Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung. Das Ziel des neuen Gesetzes ist es, die Autonomie und Selbstbestimmung der betroffenen Personen möglichst lange und umfassend zu erhalten. Der Bedarf wächst: Während im Jahr 2003 noch etwa 30.000 Menschen in Österreich besachwaltet wurden, hat sich diese Zahl bis zum Jahr 2018 fast verdoppelt.