Eine Burg in Handarbeit

Es ist tatsächlich ein ungewöhnliches Projekt in Friesach. Dahinter steht Gerald Krenn, der Leiter des Projekts. Kurz zu seinem Background: Er hat Geschichte studiert, liebt das Mittelalter und will seine historische Leidenschaft am eigenen Leib erfahren. Sein Ziel ist es, die Theorie in die Praxis umsetzen und sich anzuschauen, wie man damals Burgen gebaut hat.

Eine Baustelle, wie vor 700 Jahren

Was in Friesach entsteht, gleicht einer Baustelle, so wie man sie vor 700 Jahren vorfinden hätte können. „Wir können uns natürlich als heutige Menschen des 21. Jahrhunderts nicht zurückbeamen, aber wir machen es so, wie wir es uns vorstellen hätten können“, sagt Gerald. Das traditionelle Werkzeug beim Burgbau ist nun mal die Hand. So war das vor 700 Jahren, als es noch keine Maschinen gab. Für ihn ist mit dem Bau der Burg ein Kindheitstraum wahr geworden. „Ich habe immer gerne Ritter gespielt. Und das ist natürlich hier dann die Verwirklichung“, meint er. Das Ende seines Kindheitstraums wird er hier aber wohl vor Ort nicht mehr erleben, da davon ausgegangen wird, dass das Projekt erst in 20 bis 30 Jahren finalisiert wird.

1800 Tonnen Steine, 35 Arbeiter und 70 Millionen Euro

1800 Tonnen Steine wurden bisher den Hügel hinauftransportiert. MEINS-Reporterin Lisa wandert gemeinsam mit Gerald hinauf zur Burg. „Komm, Flora, komm! Komm!“, treibt er das Pferd vorran. „Sie arbeitet einen halben Tag, jetzt wird sie gleich stehen bleiben, weil das ist ihre Kurve, wo sie immer gern stehen bleibt“, schmunzelt der Bauleiter. Nach 13 Metern Höhe verschnauft angekommen, wird der Stein mit dem Kalkmörtel gestrichen und positioniert. Für eine Schicht des Turms werden ungefähr 200 der zuvor stundenlang bearbeiteten Steine benötigt. Die Kosten für das Projekt sind enorm. Man rechnet unter Berücksichtigung der Personalkosten und Baustoffe mit bis zu 70 Millionen Euro. Finanziert wird das Ganze vom Land Kärnten, dem AMS und dem Europäischen Sozialfond. Außerdem unterstützt die Stadtgemeinde Friesach den Bau, da gerade in den Sommermonaten viele Besucher:innen diese besondere Baustelle besuchen. Zudem gibt es jetzt schon Anfragen von Liebhaber:innen des Mittelalters, die sich bei Fertigstellung des Baus hier niederlassen möchten. Ganzjährig bewohnbar wird die Burg aber nicht sein: Es gibt relativ wenig Feuerstellen. Und im Turm wäre es zu kalt.