Warum der Brexit an Nordirland scheitern könnte

Was tun mit der Grenze zwischen Irland und Nordirland? An dieser Frage drohen die Brexit-Verhandlungen zu scheitern. Seit Wochen ringen die EU und Großbritannien um eine Lösung. Oberstes Ziel: die Grenze muss offen bleiben, obwohl sie zur EU-Außengrenze wird. Denn sonst droht neue Gewalt.

Strittige Grenze

Doch für Brüssel geht das nur, wenn Nordirland teil des EU-Binnenmarkts bleibt, bis eine bessere Lösung gefunden wird. Diesen sogenannten Backstop-Kompromiss hat das britische Unterhaus aber mit großer Mehrheit abgelehnt. Für die Brexit-Hardliner wäre das kein echter Ausstieg aus der EU. Seither läuft ein bizarrer Verhandlungsmarathon - für die Menschen in Nordirland ein Spiel mit dem Feuer.

Jahrzentelange „Troubles“

Vor allem in den 70er und 80er Jahren tobte in der Region ein blutiger Bürgerkrieg. Paramilitärische Gruppen der beiden größten Bevölkerungsgruppen kämpften gegeneinander. Katholiken gegen Protestanten. Die Irish Republican Army gegen die Ulster Volunteer Force. Bei Anschlägen und Racheaktionen kamen mehr als 3.500 Menschen ums Leben. Und die britische Armee mischte sich auch noch kräftig ein. Trauriger Höhepunkt war der sogenannte „Bloody Sunday“ 1972, als britische Soldaten auf unbewaffnete Demonstranten schossen und 13 Menschen töteten.

Wackeliger Frieden

1998 wurde dann endlich Frieden geschlossen und die Macht zwischen Katholiken und Protestanten aufgeteilt. Doch das sogenannte Karfreitagsabkommen ist ein fragiles Konstrukt, das nur durch eine offene Grenze zu Irland einigermaßen hält. Denn die katholische Minderheit in Nordirland kämpfte jahrzehntelang für eine Vereinigung mit Irland und ließ sich nur durch die offene EU-Grenze auf den Friedenspakt ein. Diese Bevölkerungsgruppe fühlt sich nun durch den Brexit in die Ecke gedrängt.

Neue IRA

Etwa 100 Gewaltbereite haben sich schon zur sogenannten „Neuen IRA“ formiert, einer Splittergruppe der eigentlich aufgelösten Terrororganisation. Sie wird für einen Anschlag in der Stadt Derry in Nordirland vor ein paar Wochen verantwortlich gemacht. Dabei explodierte eine Autobombe vor einem Gerichtsgebäude, verletzt wurde niemand. Die Aktion sollte wohl als Warnung an die Brexit-Verhandler gelten. Sie haben es in der Hand, ob der Nordirlandkonflikt wieder aufflammt, oder nicht.