100 Jahre Frauenwahlrecht

Mit der Ausrufung der Republik wurde am 12. November 1918 das allgemeine Wahlrecht beschlossen. Die Nationalratswahlen in Österreich sollten künftig  „auf der Verhältniswahl und auf dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts“ beruhen. Zum ersten Mal wählten Frauen dann bei den Nationalratswahlen am 16. Februar 1919.

Kontrolle bei Wahlen

Beunruhigt zeigten sich damals jedoch alle Parteien über die politischen Auswirkungen des Frauenwahlrechts. Mittels verschiedenfarbiger Stimmzettel bzw. Kuverts oder verschiedener Wahlurnen ließen sich geschlechtsspezifische Präferenzen nachvollziehen: man wollte kontrollieren, ob Faruen wie erwartet überwiegend sozialdemokratisch wählen würden. Jedoch favorisierten Frauen bei den Nationalratsahlen 1927 und 1930 konservative Parteien, etwa 40 Prozent stimmten sozialdemokratisch.

Die ersten Frauen im Parlament

Im März 1919 zogen dann die ersten acht Frauen in den Nationalrat ein, darunter eine Christlich-Soziale und sieben Sozialdemokratinnen: Anna Boschek, Hildegard Burjan, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel und Marie Tusch. Mit ihrem Einzug ins Parlament lag der Frauenanteil bei 5,03 Prozent. In kleinen Schritten stieg der Anteil der Frauen in den darauffolgenden Jahren – zweistellig wurde er jedoch erst in den 80ern.

Weibliche Führungskräfte

Einen weiteren Meilenstein erreichte die Frauenbewegung 1986. Als erste Frau wurde Marga Hubinek (ÖVP) ins Nationalratspräsidium gewählt. Ganze 20 Jahre später gab es dann die erste Nationalratspräsidentin – Barbara Prammer (SPÖ).

Frauenanteil so hoch wie noch nie

Heute, 100 Jahre später, liegt der Frauenanteil im österreichischen Parlament bei 37,2 Prozent und ist damit so hoch wie noch nie. Am meisten beteiligt sind Frauen auf der nationalen, wie auch der europäischen Ebene. Auf der lokalen Ebene der Gemeinden sieht es noch anders aus: nur 7,2 Prozent aller Bürgermeisterämter werden von Frauen besetzt. Weltweit liegt Österreich bei der Beteiligung von Frauen in der Politik auf Platz 44, wie der aktuelle Gender Gap Report berichtet. Auf Platz Eins liegt Island, den letzten Platz belegt momentan Jemen.