Darum brennt Südamerika

Proteste, Demonstrationen, Streiks. In fast ganz Südamerika herrscht seit Monaten angespannte Stimmung. Korrupte Politiker, soziale Ungleichheit und manipulierte Wahlen machen den Ländern zu schaffen. In Bolivien musste Präsident Evo Morales ins mexikanische Exil fliehen, nachdem ihm Wahlbetrug vorgeworfen wurde. Auf den Straßen bekriegen sich seither täglich Morales-Anhänger und -Gegner. Schon acht Menschen sind dabei getötet worden. Die Vizepräsidentin des Senats Jeanine Anez hat die Amtsgeschäfte vorübergehend übernommen. Sie bemühe sich nun um rasche Neuwahlen, heißt es von Morales' Kontrahentin.

Proteste gegen soziale Ungleichheit in Chile und Ecuador

In Chile protestieren die Menschen für eine neue Verfassung. Die aktuelle stammt noch aus Zeiten des Diktators Augusto Pinochet. Mindestens 20 Menschen sind im Zuge der Proteste bereits gestorben. Lange galt Chile als Hort der Stabilität in Südamerika. Die enormen Einkommensunterschiede und zuletzt die Pläne der Regierung die Metro-Preise zu erhöhen, sorgten landesweit für heftige Proteste. Ähnliche Szenarien sind auch in Ecuador zu beobachten. Dort wurden die Benzinsubventionen gestrichen. Dadurch verdoppelte sich der Spritpreis. Dies traf vor allem die indigene Bevölkerung, welche darauf mit Demonstrationen antwortete.

Humanitäre Krise

In Venezuela herrschen hingegen schon seit längerem katastrophale humanitäre Zustände. 4,5 der 30 Millionen Venezolaner sind auf der Flucht. In der Politik liefern sich Staatschef Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó seit Anfang des Jahres einen erbitterten Machtkampf. Während sich Maduro mit Hilfe des Militärs weiter an der Macht hält, wird Guaidó international zwar unterstützt, kann sich aber im eigenen Land nicht durchsetzen.

Kein „südamerikanischer Frühling“

Kann also von einem Flächenbrand am südamerikanischen Kontinent die Rede sein? Laut Politologen Ulrich Brand wäre dies übertrieben. Er sieht aber dennoch Gemeinsamkeiten bei den Konflikten. „In diesen Ländern sieht man, dass sich die Bürger der autoritären Politik nicht mehr länger unterwerfen wollen", so Brand. Außerdem würden alle Konflikte eine starke ökologische Dimension mitbringen.