Sie singt mit 104 Jahren erstmals vor Publikum

Als Anna Rupar geboren wurde, herrschte in Österreich noch der Kaiser. Mittlerweile leben wir in einer Demokratie und Anna Rupar ist stolze 104 Jahre alt. 104 Jahre voller rebellischer Phasen, wie auch vertane Chancen. Ihr größter Traum war es immer, vor Publikum zu singen. Bei einem Konzert der Musikerin Clara Luzia war es für Anna Rupar endlich so weit: Ihr großer Auftritt. Ermöglicht hat es Lisa Gadenstätter mit ihrer Dok 1 NIE ZU SPÄT - Die Träume der Hundertjährigen, in der die ORF 1-Reporterin drei über 100-jährige Frauen begleitet. Von ihnen will sie wissen, was sich Frauen über 100 schon immer mal gewünscht haben.

Endlich auf einer Bühne stehen

Das Orpheum in Graz ist voll. Es wird laut, als Anna Rupar die Bühne betritt. Langsam stimmt sie „Für mich soll's rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef an. Auch wenn sie sich kurz versingt; das Publikum ist begeistert und der frisch gebackene Star möchte gar nicht aufhören zu singen. „Danke, dass ihr mein G'sangl angehört habt's.“

„Wir sind niedergehalten worden“

Warum Anna Rupar ihre Träume nicht verwiklichen konnte, hat familiäre, aber auch gesellschaftliche Gründe. Annas fünf Brüder wurden alle Geistliche. Ihr Vater hätte natürlich auch Anna gerne in der Kirche gesehen. „Da hat halt unser lieber Vater geglaubt es geht weiter so, dass wir lauter Nonnen werden. Aber da hat er sich geschnitten.” Anna Rupar wuchs in den 1920er und 1930er Jahren auf. Die Rolle der Frau war da noch eine komplett andere, als sie heute ist. Auf die Frage, ob sie es als Mann einfacher im Leben gehabt hätte, sagt sie: "Ich glaube schon. Weil ich mich mehr getraut hätte."