EINE WOCHE. EIN THEMA.

Wer wird Polizist?

Ein Drittel der österreichischen Polizisten wird in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen. Die Polizei sucht dringend Nachwuchs. Sogar mit Werbung auf Kaffeebechern. Nur leichter gesagt als getan. Wer will eigentlich Polizist werden?

Traumjob Polizist

Text: Simone Grössing

„Angst hab ich keine, die ist fehl am Platz“, sagt Helmut. „Deswegen üben wir das ja auch alles“, fügt sein Kollege Daniel hinzu. Gerade haben die Anfang 20-Jährigen nicht nur DNA-Spuren gesichert, sondern zudem - in kugelsichere Westen gekleidet - einen maskierten Räuber gestellt. Oder besser gesagt: Einen Schauspieler, der einen Räuber spielt. Daniel und Helmut besuchen seit letztem Jahr die Polizeischule.

Video: Redaktion: Simone Grössing, Kamera: Gabriel Danis, Schnitt: Patrick Artner

11.000 neue Polizisten

In der Schule in der Marokkanergasse im dritten Wiener Gemeindebezirk spielen Helmut und Daniel aber nicht nur actionreiche Einsätze nach, sondern üben auch, wie man Akten im System anlegt und schreibt. Die beiden haben bei der Polizei ihren Traumjob gefunden: "Das ist kein normaler Bürojob, sondern viel abwechslungsreicher", sagen die Polizeischüler. Die Polizei versucht gerade genau dieses Image unter Jungen zu verbreiten. Sogar mit Coffee-to-go-Bechern mit Slogans wie „Expresso zur Karriere“. Denn Österreichs Polizei steht heute vor einer großen Herausforderung: Ein Drittel der Polizisten wird in den nächsten Jahren pensioniert. Diese Stellen müssen nachbesetzt werden. Und: Das Innenministerium will die Zahl der Polizisten sogar erhöhen. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen 11.000 neue Polizisten kommen.

Video: Redaktion: Irina Oberguggenberger, Kamera: Gabriel Danis, Schnitt: Patrick Artner

Nachwuchs schwer zu finden

Die große Aufgabe für die Polizei: Genug geeigneten Nachwuchs zu finden. 6.000 bewerben sich jedes Jahr für den Job als Polizist oder Polizistin. Doch mehr als die Hälfte scheitert am Aufnahmeverfahren. Gerade einmal 1.500 bis 2.000 schaffen es tatsächlich in die Polizeischule. Und das obwohl die Anforderungen in den letzten Jahren zusehends gelockert wurden. Die Altersbegrenzung von 30 Jahren ist mittlerweile aufgehoben. Auch die Mindestgröße für Polizisten wurde gesenkt. Jetzt ist plötzlich auch von einer Abschaffung des Tattoo-Verbots und der Schwimmprüfung die Rede.

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Kritik an Plänen

Für die Polizeigewerkschaft ist damit das Problem des Nachwuchsmangels aber nicht gelöst: „Was die kontinuierliche Ausbildung von Polizisten betrifft, wurde in den letzten Jahren viel zu wenig getan“, so Hermann Greylinger, stellvertretender Vorsitzender der Polizeigewerkschaft. „Da werden solche Maßnahmen auch nichts mehr bringen.“ Es gehe vielmehr darum, neue Anreize für den Beruf zu schaffen. Was die Wohnsituation und das Gehalt von Polizisten in der Ausbildung betrifft, sei noch viel zu tun, so Greylinger. Derzeit verdienen Polizisten im ersten Ausbildungsjahr 1633 Euro brutto im Monat.

Video: Redaktion: Simone Grössing, Kamera: Gabriel Danis, Schnitt: Patrick Artner

Ab in die Praxis

Für Helmut und Daniel hat es jedenfalls keine Kampagnen gebraucht, um sie von der Ausbildung zu überzeugen. Sie sehen ihren Job als Berufung: „Ich habe viele Polizisten im Umfeld, das war naheliegend, selbst einer zu werden“, so Daniel, der vom Bundesheer direkt zur Polizei kam. Noch ein Jahr müssen Helmut und Daniel die Schulbank drücken, dann geht es für die beiden in die 3-monatige Praxisphase. Ihren Traumjob haben sie bereits gefunden, und wenn alles so läuft wie gewünscht, dann liegt vor ihnen eine Karriere bei einer Spezialeinheit und der Flugpolizei.

30.05.18