EINE WOCHE. EIN THEMA.
Ich mach mir die Welt...
…wiede wiede wie sie mir gefällt. Nein, in dem Lied hat Pipi Langstrumpf nicht über Virtual Reality gesungen, es passt aber trotzdem ganz gut. Denn am Meeresboden tauchen, vor einem Haufen Zombies stehen, oder im All gegen Aliens kämpfen, klappt mit Virtual Reality mittlerweile ziemlich gut. In den letzten Jahren hat sich einiges getan.

Im Oktober brachte der Elektronik-Konzern Sony für seine Playstation eine Virtual-Reality-Brille als Zusatzequipment auf den Markt. Mehr als eine Million Stück wurden seither verkauft. Eine Zahl, die weit über den Erwartungen liegt und zeigt, dass VR in den Wohnzimmern der Gamerinnen und Gamer angekommen ist. Neben der Spielekonsole wird auch die Brille bald zum Standard-Equipment gehören. 

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Das erste Mal VR

Für die Anschaffung braucht es aber nicht nur Leidenschaft fürs Computerspielen, sondern auch das nötige Kleingeld. Eine VR-Brille kostet zwischen 400 und 600 Euro, mit Zusatzequipment um die 900 Euro. Zu teuer? In einem Wiener VR-Lokal ist das Equipment schon vorhanden. Unter professioneller Anleitung können Besucherinnen und Besucher für drei Euro pro Minute die neuesten VR-Trends ausprobieren. Genau das hat VR-Neuling Nina Keinrath, 23 Jahre und aus Wien, für [M]eins gemacht.

Video: Irina Oberguggenberger
Gaming als Profi-Sport

Zombies in die Luft jagen, Autorennen fahren, im Weltraum auf Aliens schließen. Gaming ist der größte VR-Bereich in Sachen Entertainment. Hier wird auch am meisten investiert. Kein Wunder: Mit 50 Millionen Playstation 4-Besitzern hat Sony auch 50 Millionen potenzielle Kunden für seine VR-Brille. 

Allgemein gewinnt Gaming an Bedeutung: Bei den Asiatischen Spielen 2022 wird eSports erstmals als offizielle Disziplin vertreten sein. Neben Boxen, Fechten und Segeln stehen dann auch Videospiele am Programm. Mit Virtual Reality hat das zwar noch nichts zu tun, aber es zeigt, wie ernst der Gaming-Bereich inzwischen genommen wird. Das pusht die Branche, eben auch in Richtung VR. 

In Österreich hat am Sonntag, 30. April das erste Virtual-Reality-Gaming-Turnier stattgefunden. 32 Teilnehmer sind gegeneinander angetreten. [M]eins war mit dabei. 

Video: Arthur Einöder
VR ist überall

Nicht nur die großen Computerspiel-Konzerne wollen mit VR neue Möglichkeiten ausschöpfen. Die Pornoindustrie ist genauso vorne mit dabei, wie der gesamte TV-Sektor. Die BBC, CNN oder auch Arte: Sie alle nehmen Geld in die Hand um Dokumentationen und Spielfilme zu drehen, die die ZuseherInnen an den Ort des Geschehens bringen. Statt sich Bilder von der Antarktis am Bildschirm anzusehen, steht man selbst inmitten von Pinguinen und kann die Landschaft erkunden.

Wir sind an einem Punkt, wo mit VR Dinge möglich gemacht werden, an die wir selbst noch gar nicht denken.
Timon Liebau
VR-Experte, "vrei"

Die Bandbreite ist immens, die Möglichkeiten praktisch unbegrenzt. Überall schießen Start-Ups aus dem Boden, die ein Stück vom VR-Kuchen ergattern wollen. Im Industrie-Bereich poppen täglich neue Ideen auf. Man kann Immobilien vor dem tatsächlichen Besuch schon mal vorab besichtigen, eine Probefahrt unternehmen, ohne tatsächlich zu fahren und sich mit realen Menschen aus aller Welt in einem virtuellen Raum treffen. 

Video: Arthur Einöder
Aust-VR

Österreich will mithalten, vorne mit dabei sein. Und das gelingt bislang ganz gut. Das "vrei" war das erste VR-Cafe Europas. Der ORF hat gemeinsam mit anderen Partnern die "Virtual und Augmented Reality Association Austria", kurz VARAA, gegründet. An der TU Wien wird in alle möglichen Richtungen geforscht und probiert: Forscher wie Khrystyna Vasylevska, Hannes Kaufmann und Annette Mossel sind drauf und dran, die virtuelle Erfahrungen größer zu machen. Mit größeren Räumen, Begegnungsmöglichkeiten und Interaktion im virtuellen Raum. Und auch der erste VR-Webbrowser kommt aus Österreich.

Video: Einöder/Oberguggenberger/Rädler
Video: Arthur Einöder
Medizin und VR

VR ist nicht immer nur aufregend und lustig. In der Medizin kann damit viel Gutes getan werden, Ideen gibt es zuhauf. Angefangen bei ganz einfachen Dingen, wie PflegeheimbewohnerInnen die Möglichkeit zu geben, aus ihrem Alltag auszubrechen. Menschen, die aufgrund einer Krankheit nicht mobil sind, einen Blick nach außen zu verschaffen und sie Dinge erleben zu lassen. "Ich könnte das den ganzen Tag machen, es ist einfach unbeschreiblich", sagt der Däne Knud Erik Hellum. Seit er im Rollstuhl sitzt, verbringt er die meiste Zeit zuhause. Mit einer VR-Brille hat er einen Ausflug an den Hafen gemacht.

Damit nicht genug. Personen, deren Beine amputiert wurden, erhalten virtuelle Beine, um ihre Phantomschmerzen zu therapieren. Und Menschen, die einen Hirnschaden erlitten haben, können ihr Gedächtnis trainieren. Wie im Fall der dänischen Patienten Jytte Dall. Aufgrund eines Blutgerinnsels im Hirn hat sie viele Alltags-Fertigkeiten vergessen. VR soll ihr helfen, sie neu zu erlernen. 

Video: Irina Oberguggenberger
Virtuell operieren

Auch an der Medizinischen Universität in Wien arbeitet man seit mehreren Jahren mit Virtual Reality. Studierende und ÄrztInnen können an einer Konsole virtuell operieren und verschiedenste Eingriffe wieder und wieder üben. Bevor jemand das erste Mal in den OP darf, muss er die Übungen an der Konsole perfekt beherrschen. 

Video: Irina Oberguggenberger
Da kommt noch was

Das ist erst der Anfang. An allen Enden und Ecken wird geforscht, ausprobiert und produziert. Es gibt viel Luft nach oben. Interessant dürfte vor allem der social-Bereich werden, der – siehe Facebook – für unzählige Menschen relevant ist. Gemeinsam einen Kaffee trinken kann man dann auch, ohne sich tatsächlich zu treffen. Wenn man bei schlechtem Wetter nicht von der Couch kommt, verabredet man sich einfach virtuell. Daran wird bereits gearbeitet.

Ob das gut oder schlecht ist, sei dahin gestellt. Schon jetzt scheint das Smartphone für viele wichtiger zu sein als reale Begegnungen das tatsächliche Leben. Wer weiß, ob wir in der VR-Zukunft zu faul sind, um jemals wieder die eigenen vier Wände zu verlassen. Und warum in den Urlaub fahren, wenn ich auch ohne langem Anstehen die Aussicht am Eiffelturm genießen kann.

Eine gewisse Skepsis spielt also mit. Zumindest können die meisten von uns selbst miterleben, wie es dann tatsächlich wird. In etwa zehn Jahren werden wir da sein, wovon in Sachen Virtual Reality heute geträumt wird. 

02.05.17