EINE WOCHE. EIN THEMA.
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Gesamtschule selbst gemacht
Nr. 94
Verhüllen Verboten
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Die High Speed Gemeinde
Nr. 92
Wenn eine Stadt verwaist
Nr. 91
Frank Over
Nr. 90
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Matura - und jetzt?
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Die Roten und die Blauen
Nr. 87
Der IS - eine Bestandsaufnahme
Nr. 86
Österreich ohne Stau
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Nr. 84
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Nr. 83
Kurz zusammen­gefasst
Nr. 82
Vermisst
Nr. 81
Ich mach mir die Welt...
Nr. 80
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Nr. 72
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Nr. 70.2
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Nr. 70
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Vom Leben nach dem Beben
Nr. 66
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Nr. 57
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Nr. 46
Vom Leben am Minimum
Nr. 45
Platsch!
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Nr. 43
Schneller, höher, stärker
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Entsichert?
Verhüllen Verboten
Mit 1. Oktober tritt in Österreich ein Verhüllungsverbot in Kraft. Die Stadt Zell am See könnte das besonders stark treffen. Dort leben zwar laut Vizebürgermeister keine vollverschleierten Muslima, im Sommer verbringen aber hunderttausend arabische Touristinnen und Touristen ihren Urlaub in der Region. Die neue QUERFELDeins-Reportage zu Besuch im Alpen-Mekka.

Am kitschig-schönen See werden Selfies geknipst, in der Innenstadt wird gebummelt und geshoppt - ein klassischer Spätsommertag in Zell am See. Die Region lebt vom Tourismus. Neben khakifarbenen Wanderhosen dominieren Kopftuch und Niqab das Stadtbild. Auf knapp 10.000 Einwohner kommen hier im Sommer fast 100.000 arabische Touristen aus Ländern wie Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Die katholische Kleinstadt hat sich auf die muslimischen Touristen eingestellt. Es gibt arabische Supermärkte, Friseure und Speisekarten, Halal wird hier groß geschrieben.  

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Ausnahme für Touristinnen?

Doch das Aufeinandertreffen von zwei so unterschiedlichen Kulturen und Weltanschauungen sei auch eine große Herausforderung, sagt Vizebürgermeister Andreas Wimmreuter (SPÖ). Er betont, dass man sich in den vergangenen Jahren durch Aufklärung und Information viel näher gekommen sei und dass Zell am See eine weltoffene und tolerante Stadt ist. Mit dem Verhüllungsverbot hat Wimmreuter keine große Freude. „Für mich ist völlig klar, dass dieses Verbot bei der Polizei, bei Gericht und auf Ämtern gelten muss“, betont Wimmreuter, hält aber gleichzeitig fest: „Ich hätte mir gewünscht, dass es eine Ausnahme für Touristinnen gibt. Ich denke nicht, dass wir Touristinnen vorschreiben sollen, wie sie sich zu kleiden haben, wenn sie auf Urlaub sind.“ 

Video: Video: Helene Voglreiter & Gabriel Danis
Arabische Urlauber trotz Verhüllungsverbots?

Vom Tourismusverein will uns niemand ein Interview geben, man wolle sich nicht zu speziellen Gästegruppen, Politik oder Religion äußern. Fragen werden nur schriftlich beantwortet. Auch mehrere Hoteliers lehnen unsere Interviewanfragen ab. Offenbar will sich niemand mit dem Tourismusverein anlegen. Schließlich finden wir doch noch zwei Hotel-Eigentümer, die auch vor der Kamera mit uns sprechen.

 „Wir werden das Verhüllungsverbot sicher spüren, vor allem nächstes Jahr“, befürchtet Harald Bruckner vom Hotel Neue Post. Im Sommer macht er fast die Hälfte seines Geschäfts mit arabischen Gästen. Er hofft auf eine „österreichische Lösung“. Wie die ausschauen könnte? „Es wird ein Gesetz geben und keiner wird sich dran halten, wie bei vielen anderen auch.“ Ganz anders sieht das Herwig Schiefer vom Berghotel Schmittenhöhe. Bei ihm werden schon jetzt keine vollverschleierten Frauen bedient. „Ich persönlich will das nicht. Bei mir kriegen die Verhüllten nichts und wir servieren ihnen nichts“, so Schiefer. „Ich freu mich, wenn das Gesetz kommt und den Menschen hier einen gewissen Rückhalt gibt. Wenn 30 Prozent weniger kommen, freu ich mich auch – dann haben wir wieder Platz für andere Gäste.“  

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Es drohen bis zu 150 Euro Strafe

Das Verhüllungsverbot ist Teil des Integrationspaketes. Neben verpflichtenden Deutsch- und Wertekursen soll auch das Verhüllungsverbot die Integration und das friedliche Zusammenleben in Österreich stärken. Wer in der Öffentlichkeit seine Gesichtszüge durch Kleidung oder Gegenstände verhüllt, wird mit bis zu 150 Euro bestraft. Das Verbot gilt auch an Gerichten, Schulen und Universitäten sowie in Bussen, Zügen, Flugzeugen und auf Schiffen. Sport- und Kulturveranstaltungen sind explizit ausgenommen. 

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Grafik: Magdalena Onderka, Redaktion: Helene Voglreiter
Kein Schleier in Österreich

Die Polizei ist dafür verantwortlich, dass das neue Gesetz künftig auch eingehalten wird. Bezirkspolizeikommandant Kurt Möschl wartet noch auf genaue Verordnungen vom Innenministerium. Was passiert, wenn der Gesichtsschleier trotz Aufforderung nicht entfernt wird? „Dann wird man sich darauf einigen, dass man den arabischen Fahrgast zum Hotel bringt“, schildert Möschl. Festnehmen will er niemanden, eine Strafe von 150 Euro sei aber auf jeden Fall zu zahlen. Und er betont: „Wir sind lösungsorientiert und werden das auch schaffen.“ 

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Andere Länder, gleiche Verbote

In ganz Europa wird über Verhüllungsverbote diskutiert. Die Sicherheitsfrage ist ein Faktor, die Integration muslimischer Frauen in die Gesellschaft ein weiterer. Frankreich hat als erstes Land in der EU 2011 ein Burkaverbot eingeführt, zuletzt hat auch der Kanton Tessin in der Schweiz die Vollverschleierung verboten. Probleme mit Touristen hätte es deshalb keine gegeben, heißt es aus der Schweiz. Die meisten Touristinnen seien bereit, den Schleier abzulegen und auch die Strafe zu zahlen, so das erste Fazit.  

Video: Video: Nikolaus Riss
Ab 1. Oktober in Kraft

In Österreich tritt das Verhüllungsverbot am 1. Oktober in Kraft, wohl nicht ganz zufällig erst nach Ende der Sommersaison. In Zell am See wird es dieser Tage wieder ruhiger, am See tummeln sich hauptsächlich die Enten und in der Innenstadt bummeln nur noch vereinzelt ein paar Urlauber. Die arabischen Gäste kommen traditionell erst wieder zur Sommerfrische, wenn sie denn wiederkommen. 

06.09.17