EINE WOCHE. EIN THEMA.
USA vs CHINA
Donald Trump ist der mächtigste Mann der Welt. Zumindest sagt man das dem Präsidenten der Vereinigten Staaten gerne nach. Doch schon lange drängt sich da ein anderer Player ins Feld: Die Weltmacht China. Präsident Xi Jinping trifft diese Woche erstmals auf Trump. Aber wer von den beiden hat jetzt tatsächlich die Nase vorn? Ring frei für den Kampf der Giganten.

Seit Jahren gibt es Schlagzeilen, dass China die USA in Sachen Weltmacht überholen könnte oder sogar bereits getan hat. Wir wollen wissen was da dran ist, kann das wirklich sein? Zugegeben: Das Thema ist riesig, es gibt etliche Parameter, an denen Macht, Einfluss und Wirtschaftserfolg gemessen werden, aber wir versuchen es trotzdem. Und lassen die beiden Länder in fünf Kategorien gegeneinander antreten. 

Runde 1: Das Militär

Bei einem Kampf spielen natürlich Muskeln eine wichtige Rolle. Und die Muskeln eines Landes sind seine SoldatInnen. Geht es rein um Muskelmasse, dann ist China ganz klar im Vorteil. Mit 2,3 Millionen aktiven SoldatInnen ist die chinesische Armee die personell stärkste der Welt. Geht es aber darum die Muskeln richtig einzusetzen, kann den Amerikanern niemand – und schon gar nicht China – das Wasser reichen. 

Die USA geben im Jahr mehr Geld für ihr Militär aus, als alle nachfolgenden zehn Länder zusammen.
Michael Friedl
österr. Handelsdelegierter in den USA

Kein Wunder: Die USA geben im Jahr mehr Geld für ihr Militär aus, als alle nachfolgenden zehn Länder zusammen. Und macht es damit in Sachen Technologie, Ausrüstung und moderner Kriegsführung zum absoluten Vorreiter. Zwar ist China gerade dabei seine Armee zu reformieren und technisch auf den neuesten Stand zu bringen, dennoch ist dem Land bewusst: Gegen die USA steigt man militärtechnisch besser nicht in den Ring. 

Runde 2: Die Wirtschaft

Das iPhone ist das meist verkaufte Smartphone der Welt. Hergestellt wird es in China. General Motors ist der zweitgrößte Automobilkonzern der Welt. Der Großteil der Produktion liegt in China. Nur zwei Beispiele dafür, dass die USA und China wirtschaftlich eng miteinander verbunden sind. Und das macht sie de facto voneinander abhängig. Wenn einer zu Boden geht, zieht er den anderen mit.

Dennoch kann man sagen: Die USA liegt derzeit noch klar auf Platz eins. Die altmodische Art, das zu belegen, ist der Vergleich des Bruttoinlandsprodukts (BIP), also der Wirtschaftsleistung eines Landes. Hier liegen die USA mit 18,5 Billionen Dollar bisher noch klar voran. China kam zuletzt auf 11,4 Billionen.

Wirtschaftlich ist derzeit die USA klar auf Platz eins. In 20 oder 30 Jahren könnte es aber China sein.
Raymund Gradt
ehem. Handelsdelegierter in China

2014 sorgten Meldungen für Aufsehen, China habe die USA wirtschaftlich überholt. Jedoch: Das BIP spielt dabei nicht wirklich eine Rolle, stattdessen geht es vor allem um die sogenannte "Kaufkraft". Ein Chinese könne sich im Supermarkt mehr leisten, als ein US-Amerikaner. Diese Berechnung ist stark umstritten und laut führenden Ökonomen irreführend und unseriös.

Runde 3: Das Wachstum

In einem Punkt lässt China die Vereinigten Staaten aber hinter sich: dem Wirtschaftswachstum. Die Wirtschaft wächst, die Löhne steigen und mit ihr die Kaufleistung. Und schon jetzt ist China in Sachen Industrieproduktion die absolute Nummer eins. Und das ist auch der Grund warum das iPhone in China produziert wird. Nirgends sonst können Firmen in kürzester Zeit eine so große Menge an Komponenten liefern.  

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Grafik: Joanna Sumyk

Und weil wir Metaphern so sehr lieben, hier gleich noch eine: China ist auf der Überholspur und gerade mit 180 Sachen an Kanada und der EU vorbeigerauscht. Weiter vorne liegt nur noch der Truck der USA und dessen Umrisse sind bereits am Horizont zu sehen. Bis China aber wirklich aufholt werden wohl noch Jahrzehnte vergehen. Obwohl China ein Elektroauto mit enormer Leistung ist. 

Runde 4: Bevölkerung und Bildung

Muskeln hin oder her, ohne Verstand geht gar nix. Sieben der zehn renommiertesten Universitäten der Welt sind in den USA, gleichzeitig gibt es Schulen, in die man „seine Kinder nicht schicken möchte“, wie Michael Friedl, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in New York sagt. Und: Bildung ist wichtig, aber ungleich verteilt. 

In China achtet man darauf, dass alle Kinder eine gute Bildung erhalten. Diese sieht aber vor allem Frontalunterricht vor, Social Skills und individuelle Talente spielen kaum eine Rolle. Viele chinesische Intellektuelle gehen deshalb in die USA.

An der US-Westküste gibt es inzwischen Schulklassen, in der 90 Prozent der Kinder chinesische sind.
Susanne Weigelin-Schwiedrzik
Leiterin Sinologie Universität Wien

China holt sich im Gegenzug ausländische Experten und probiert in der Zwischenzeit am Bildungsproblem zu arbeiten. Man will mehr sein als nur „Kopier-Werkstatt“ und investiert in Forschung und Innovation. Hier gilt es eine große Lücke zu schließen. Ein Problem das dennoch bleibt: China wird von vielen als de facto Diktatur gesehen in der freies Denken und kreatives Arbeiten nur schwer möglich ist und daran wird so schnell nichts ändern.

Runde 5: Soft Power

Wie Boxer gekleidet sind, auf welche Art sie sich bewegen, kämpfen und miteinander umgehen, ist wohl auch stark von den USA geprägt. Die wertvollsten Marken kommen aus den USA, alle zehn der erfolgreichsten Filme aller Zeiten wurden in den Staaten produziert. Und das größte soziale Netzwerk ist ein amerikanisches. Die Verbreitung solcher Kulturgüter verschafft Einfluss. Und auch wenn China eine starke eigene Kultur hat spielt die USA auch hier, wie überall sonst auf der Welt, eine wichtige Rolle.  

And the winner is

Dingdingding. Ganz klar: Die USA hat gewonnen, die Chinesen müssen sich mit Platz zwei zufrieden geben. Sie trainieren aber härter als je zuvor und werden nicht müde mit ihren Gegnern in den Ring zu steigen. Die Ausdauer ist da und auch das wirtschaftliche Potenzial.

Boxen steht beim Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping übrigens nicht am Programm. Der US-Präsident empfängt den chinesischen Regierungschef in seinem Golfclub Mar-a-Lago in Florida.

05.04.17

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