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Teures Dachl überm Kopf

Innsbruck ist in Punkto Mieten die teuerste Stadt Österreichs. Am privaten Wohnungsmarkt zahlt man 16 Euro pro Quadratmeter für eine Mietwohnung. Einzimmerwohnungen sind teilweise noch viel teurer. Wird Wohnen zunehmend zum Luxus? Wer profitiert und wer verliert?

Lebensqualität mit Preiszettel

Text: Helene Voglreiter

In verschiedenen Rankings sticht die Tiroler Landeshauptstadt immer wieder als besonders lebenswert hervor. Doch das Ganze hat auch seinen Preis. Laut einer Auswertung von mehr als 50.000 Immobilienangeboten auf dem Portal immowelt.at ist Innsbruck mit einem Mittelwert von 16 Euro pro Quadratmeter bei privaten Mietwohnungen die teuerste Stadt Österreichs. Für viele Menschen zu teuer. 

Karte Innsbruck

"In Innsbruck Wohnung suchen ist nicht lustig"

Die alleinerziehende Mutter Judith Bachofner sucht seit Monaten eine leistbare Wohnung für sich und ihren vierjährigen Sohn in Innsbruck. Ihrer Erfahrung nach sind Wucherpreise von 1.000 Euro für 50 Quadratmeter keine Seltenheit und es sei schon eine Herausforderung, überhaupt zu einer Besichtigung eingeladen zu werden. 

Viele Vermieter suchen gezielt nur nach Studenten, weil sie so mehrere Zimmer einzeln und befristet vermitteln können. Die Studenten tragen so indirekt zu den hohen Preisen bei und leiden natürlich auch selbst darunter. Nach fünf Monaten Wohnungssuche zieht Judith Bachofner jedenfalls ein ernüchterndes Fazit: „In Innsbruck Wohnung suchen ist nicht lustig.“ 

 

 

Redaktion: Helene Voglreiter, Kamera und Schnitt: Gabriel Danis

Viele politische Versprechen

So wie Judith Bachofner gehe es vielen Menschen in Innsbruck, bestätigt Helmut Kunwald, Obmann von DOWAS, einem Verein für Wohnungs- und Arbeitssuchende. Seit 35 Jahren berät Kunwald Klienten, die eine Wohnung suchen. Die Situation habe sich in dieser Zeit nur noch verschärft, sagt er. „Dass Wohnen in Tirol wahnsinnig teuer und eigentlich nicht leistbar ist, sagt eigentlich jede Partei und es kommen auch regelmäßig Willensäußerungen, da müssen wir was tun. Passiert ist aber jedenfalls zu wenig“, so Kunwald. 

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Spitzenreiter Tirol

Die Wohnkosten steigen ständig und zwar in weiten Teilen von Österreich. Laut dem „Erschwinglichkeitsindex“ des Online-Portals ImmobilienScout24 geben die Österreicherinnen und Österreicher im Schnitt 35 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus, egal ob Miet- oder Eigentumswohnung. Darin noch nicht enthalten sind die Neben- und Betriebskosten für die Immobilie. Am höchsten ist der Wohnkostenanteil übrigens im Tiroler Wintersportdomizil Kitzbühel. Immobilienspekulation und Leerstand feuern die hohen Preise zusätzlich an.

Kürzer vermieten, mehr Geld kassieren?

Immer mehr Eigentümer setzen auch auf Kurzzeitvermietung. Laut offiziellen Angaben der Online-Plattform Airbnb gibt es in Innsbruck 1.600 Wohnungen, die zumindest hin und wieder über die Plattform vermittelt werden. Airbnb-Sprecherin Isabelle Klot erklärt: „Die überwiegende Mehrheit der Gastgeber auf Airbnb sind Home Sharer, also Privatpersonen, die gelegentlich ihre Wohnung vermieten, wenn sie selbst unterwegs sind.“ Auf die Kritik, dass dadurch Wohnraum entzogen wird, bekommen wir keine Antwort, genauso wenig wie auf die Kritik, dass viele Vermieter keine Steuern zahlen.

Zum Thema Ortstaxe betont Klot: „Airbnb arbeitet mit zahlreichen Städten und Tourismusorganisationen zusammen, beispielsweise auch bei der automatisierten Einziehung der Ortstaxe über die Plattform. Für einen Austausch mit Innsbruck sind wir ebenfalls offen.“ Karin Seiler-Lall vom Tourismusverein Innsbruck steht Plattformen wie Airbnb prinzipiell offen gegenüber, weil dadurch neue Zielgruppen angesprochen werden. Sie fordert aber gleiche Regeln für alle.

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Entlastung erst in ein paar Jahren

Immobilienspekulation, Leerstand, Kurzzeitvermietung – viele Faktoren tragen zu den hohen Preisen am Wohnungsmarkt in Innsbruck bei. Wohn-Stadtrat Andreas Wanker (ÖVP) setzt vor allem auf sozialen Wohnbau. Er möchte möglichst viele soziale Wohnungen bauen, damit der Druck auf den Markt sinkt. 

Derzeit sind laut Wanker 1.600 Personen für geförderte Wohnungen vorgemerkt und die Wartezeit beträgt rund zwei Jahre. Die soziale Wohnbau-Offensive der Stadt Innsbruck läuft gerade an und in ein paar Jahren sind die ersten 300 gemeinnützigen Wohnungen bezugsfertig. In der Zwischenzeit brauche es jedenfalls kurzfristige Auffangnetze, fordert DOWAS-Obmann Hermann Kunwald, damit die Menschen sich das Wohnen noch leisten können. 

23.03.18