EINE WOCHE. EIN THEMA.
Platsch!
Ein Sprung in den kühlen Pool. Ein erfrischender Schluck Wasser. Österreich muss beim Wasser nicht sparen. Und: Wenn es nach den Experten geht, dann wird das auf absehbare Zeit (noch) so bleiben. Das Geheimnis von Österreichs Wasserreichtum, und warum wir davon noch länger profitieren können.

Wenn wir in Österreich an "Luxus" denken, woran denken wir dann? Vielleicht an steinreiche Ölscheichs und funkelnde Juwelen? An teure Limousinen und ferne Metropolen? Öl und Gold hat Österreich keins. Aber: Österreich hat Wasser. Im Überfluss. Während anderswo Trinkwasser rationiert wird oder um teures Geld aufbereitet, spült man hier bestes Wasser im Klo hinunter oder gießt damit den Rasen. Österreich verbraucht 2,5 Kubik-Kilometer an Wasser im Jahr. Was passiert mit Österreichs Wasser? Wer verbraucht wieviel? Nicht jeder durchschnittliche Österreicher besitzt einen Pool, einen Garten oder eine Fabrik. Aber - statistisch gesehen - so viel Wasser verbraucht jeder und jede von uns pro Tag:

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Das Geheimnis des Wasserreichtums

77 Kubik-Kilometer Wasser stehen Österreich zur Verfügung. Wasser, das durch Niederschlag ins Land kommt, oder von Schnee und Gletscher freigegeben wurde. Viel Wasser - gut und schön. Noch viel besser: Hier geht es um bestes Trinkwasser. 90 Prozent der österreichischen Haushalte bekommen per Leitung ihr Wasser von den Wasserversorgern. Von den großen Wasserversorgern der Landeshauptstädte bis zu kleineren regionalen Leitungssystemen, die gerade einmal ein paar hundert Haushalte versorgen: Dieses Leitungswasser wird mehrmals im Jahr streng geprüft.

Die Ergebnisse dieser Qualitätstests veröffentlicht das Lebensministerium. Wenn ein Wasserversorger einen der viele Grenzwerte einmal nicht einhalten kann, werden Zeitplan und Maßnahmen zur Behebung festgelegt. Geprüft wird nach ganz unterschiedlichen Kritierien. Chemische und mikrobiologische Parameter, Tests auf Radioaktivität und Pestizide. Die Ergebnisse sind verblüffend: Die Zahl der Beanstandungen lassen sich österreichweit zumeist an einer Hand abzählen. Am Ende der Testreihe steht zumeist "100% bestanden". Eine bemerkenswerte Quote, gerade angesichts der strengen österreichischen Kriterien, was das Wasser betrifft.

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Rasen ist grün, so ist das einfach, und so muss es sein.
Khloé Kardashian
Promi, Los Angeles
Zugang zum Wasser

Wie groß der Luxus in Österreich ist, wird beim Blick auf den Rest der Welt klar. In vielen Staaten Afrikas hat nicht einmal jeder zweite Zugang zu Trinkwasser. Und das, obwohl seit einigen Jahren "Trinkwasser" als Menschenrecht gesehen wird. Spezialisten des österreichischen Bundesheers und vom österreichischen Roten Kreuz werden häufig in Katastrofengebiete gerufen - zur Trinkwasseraufbereitung. Auch beim schnellen Wassertest sind Lösungen aus Österreich weltweit gefragt. Das Startup Helioz aus Wien hat etwa ein Gerät entwickelt, mit dem sich auf Knopfdruck bestimmen lässt: Kann man dieses Wasser trinken? Oder ist es gesundheitsschädlich?

Doch man muss gar nicht erst nach Afrika oder Indien blicken, um den Wert des Wassers festzustellen. Schon ein Ausflug in die USA reicht. In Kalifornien gilt es mittlerweile als verpönt, den Garten mehr als zwei Mal die Woche zu gießen. Zu kostbar ist das Wasser dort. Promis in Los Angeles bestellen daher Tanklastwagen aus anderen Staaten der USA. Das Wasser für den Pool wird oft mehrere hundert Kilometer weit angekarrt. Rasen, der nicht grün ist? Für die Promis in Beverly Hills, die den Dollar nicht zwei Mal umdrehen müssen, ist das unvorstellbar. Khloé Kardashian wurde wegen ihres exzessiven Wasserverbrauchs im Web angefeindet. Sie verteidigte sich und ihren Garten: "Rasen ist grün, so ist das einfach, und so muss es sein".

In den Staaten der arabischen Halbinsel gelten grüne Gärten ohnehin schon fast so viel wie goldene Wasserhähne. Anderswo ist die Lage weniger kurios, sondern bereits lebensbedrohend. Frauen auf den Solomon-Inseln müssen zum Wasserholen weite Wege zurücklegen, berichtet Amnesty International. Ein gefährlicher Weg. Fast täglich werden Frauen in der Krisenregion auf dem Weg zur Wasserstelle verschleppt, entführt oder vergewaltigt. Zugang zum Wasser und funktionierende Brunnen sind das Rückgrat jeder Gesellschaft. Bricht die Wasserversorgung zusammen, droht der Kollaps. Geschehen etwa im Jahr 2000 in Bolivien, als nach der Wasserprivatisierung das Land im Chaos versunken ist.

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Krieg ums Wasser

Wer nicht regelmäßig Wasser bekommt, der stirbt binnen kürzester Zeit an inneren Vergiftungen – wer das Wasser kontrolliert, der hat die Macht über Leben und Tod des Anderen. Wasser ist Lebensgrundlage und lebensgefährliche Waffe in einem. Den Wert des Wassers haben Kriegstreiber und Armeen bereits früh erkannt. Wasser-Konflikte sind so alt wie die Menschheit. Schon in vorchristlicher Zeit wurde um Trinkwasser-Ressourcen aber auch um Flüsse und damit um fruchtbaren Boden gekämpft.

Wasser war immer schon ein Druckmittel. Die Forscher des Pacific Institute haben auf ihrer Website eine Weltkarte erstellt, in der sie sammeln, wo auf der Welt bereits Gewalt und Kriege herrschen, ausgelöst durch Konflikte rund um den Wasserzugang. Dennoch gehört der gezielte systematische Einsatz von Wasser als Waffe zu den neueren Kampf-Strategien und perfektioniert hat sie ausgerechnet der sogenannte Islamische Staat. Gezielt wurden Staudämme besetzt, Landstriche überflutet und Flüsse vergiftet:

Video: Video: Max Hartmann
Gemeinnützige Ziele, die mit Wasserversorgung verbunden sind, wären aus profitorientierter Sicht ein Managementfehler.
David Walch
Attac Österreich
Wasser in Flaschen

Nur wenige Prozent des weltweit verfügbaren Wassers sind tatsächlich Trinkwasser. Natürlich reines Wasser ist in den meisten Ländern der Erde ausgesprochen knapp und selten. Und was knapp und selten ist, das lässt sich teuer verkaufen. Wenn Wasser zu Ware wird, werden Milliarden verdient. Vor allem in Entwicklungsländern. Abgefülltes Wasser in Plastikflaschen ist für viele die einzige Möglichkeit an sicheres Trinkwasser zu kommen. Doch auch in Österreich boomen die Fläschchen. Warum eigentlich? Gerade die Hauptstadt ist doch berühmt für die ausgezeichnete Trinkwasserversorgung - direkt aus den Voralpen in den Wasserhahn.

Video: Video: Robert Ziffer
Wie lange noch?

Angesichts der bedrohlichen Nachrichten aus dem Rest der Welt: Wie lange wird unser Wasserluxus noch anhalten? Vorerst haben wir nichts zu befürchten, darin sind sich die Experten einig. Doch im Detail gibt es auch Mahner und Warner. Die einen fürchten, unsere Wasserversorgung könnte privatisiert werden. Zu gewalttätigen Konflikten wie damals in Bolivien ist es in Berlin und London zwar nicht gekommen. Trotzdem war es in den europäischen Metropolen nach der Privatisierung vorbei mit dem unbeschwerten Griff zum Wasserhahn. Es kam zu Versorgungsengpässen. Andere machen sich Sorgen wegen der Folgen des Klimawandels.

Und tatsächlich: Wärmere Temperaturen könnten auch die heimische Wasserversorgung kurz- und längerfristig in die Knie zwingen. Zwar nutzt Österreich momentan nur 3% seiner bekannten Wasserressourcen überhaupt zur Wasserversorgung: Doch einige der kleineren Wasserversorger kommen mit ihren Leitungssystemen während lange anhaltender Hitzeperioden an die Grenzen ihrer Leistung. In einer aktuellen Studie haben Experten der Universität für Bodenkultur und die österreichischen Wasserversorger genau dieses Szenario unter die Lupe genommen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Sie haben die "Rekordsommer" 2003, 2013 und 2015 untersucht, und Schwachstellen aufgezeigt. Ihr Fazit: Die größte Herausforderung für die Wasserversorgung sind Gartenbewässerung und private Pools im ländlichen Bereich, also im Einzugsbereich von "kleinen" Wasserversorgern. Wenn die Versorger nicht mit ihren Wasserleitungen nachrüsten, dann könnte es eng werden, die immer mehr werdenden Pools einigermaßen gleichzeitig im Frühjahr mit Wasser zu füllen. - Immerhin das klingt tatsächlich nach einem "Luxusproblem" in Österreich.

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16.08.16