EINE WOCHE. EIN THEMA.
Nr. 95
Gesamtschule selbst gemacht
Nr. 94
Verhüllen Verboten
Nr. 93
Die High Speed Gemeinde
Nr. 92
Wenn eine Stadt verwaist
Nr. 91
Frank Over
Nr. 90
In der Hoch­sicherheits­gemeinde
Nr. 89
Matura - und jetzt?
Nr. 88
Die Roten und die Blauen
Nr. 87
Der IS - eine Bestandsaufnahme
Nr. 86
Österreich ohne Stau
Nr. 85
"Ich werde Politiker"
Nr. 84
Die Monarchie und wir
Nr. 83
Kurz zusammen­gefasst
Nr. 82
Vermisst
Nr. 81
Ich mach mir die Welt...
Nr. 80
Mindestens Haltbar Bis...
Nr. 79
Aufs Impfen schimpfen
Nr. 78
Ausgemustert
Nr. 77
USA vs CHINA
Nr. 76
E-Autos
Nr. 75
Männersache
Nr. 74
Fremdes Herz
Nr. 73
Land der Hürden
Nr. 72
Gefühlt unsicher
Nr. 71
50 Jahre Weltcup
Nr. 70.2
TOPEINS
Nr. 70.1
Künstliches Leben
Nr. 70
Skifoan. und zwar live!
Nr. 69
Kampf den Radikalen
Nr. 68
Die Rückkehr der Bunker
Nr. 67
Vom Leben nach dem Beben
Nr. 66
Ist das korrekt?
Nr. 65
So läuft der Cyberwar
Nr. 64
Pump it up!
Nr. 63
Was bringt die Zukunft?
Nr. 62
Ärzte (in der) Mangel
Nr. 61
Es ist vorbei!
Nr. 60
12 Monate Wahlkampf
Nr. 59
Fakebook
Nr. 58
Ritze Ratze Rechtsstaat
Nr. 57
Bye Bye, Barack Obama!
Nr. 56
Sterben... und dann?
Nr. 55
Mehr Heer!
Nr. 54
Bauch-Entscheidung
Nr. 53
Der Mensch der Zukunft
Nr. 52
Daheim in Aleppo
Nr. 51
Aufgebrezelt
Nr. 50
Mittendrin im Verbrechen
Nr. 49
Kriminalfall Skandalwahl
Nr. 48
Settele in der Loge
Nr. 47
Der längste Wahlkampf
Nr. 46
Vom Leben am Minimum
Nr. 45
Platsch!
Nr. 44
Ein Trump als Präsident
Nr. 43
Schneller, höher, stärker
Nr. 42
Entsichert?
Die High Speed Gemeinde
Eine kleine Gemeinde im Mühlviertel fühlte sich von der Welt abgeschnitten. Der Grund: Extrem langsames Internet. Deswegen engagierten sich die Einwohner jahrelang für den Bau eines Glasfasernetzes. Jetzt soll man dort so schnell wie in Tokio surfen können. QUERFELDeins war zu Besuch.
No man’s land
Text: Simone Grössing

„Bei uns war das schon immer so, man nimmt die Dinge selbst in die Hand“, sagt der Nebelberger Bürgermeister Markus Steininger. Nebelberg liegt an der deutschen Grenze im Mühlviertel, eine Stunde von Linz entfernt. Die Gemeinde mit 650 Einwohnern würden wohl viele als Niemandsland bezeichnen. Hier gibt es nicht viel. Nur einen Reitstall, einen Wirt und zwei Betriebe. "Am Land muss man selbst dafür sorgen, dass man eine intakte Infrastruktur hat, sonst kümmert sich niemand", so der Bürgermeister. Heute bedeutet eine funktionierende Infrastruktur aber nicht nur, dass es Schulen, Kindergärten und Straßen gibt - sondern auch eine funktionierende Internetverbindung.

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Auf, Richtung Zukunft

Jahrelang hatten die Nebelberger mit einem extrem langsamen Internet zu kämpfen. Schon beim Download der Hausübung hatte man Probleme. Ein Youtube-Video ohne Ladezeiten anzusehen, das war undenkbar. Surfen mit mehreren Geräten nicht möglich. An ein Homeoffice gar nicht zu denken. 2 Mbit/s brachte man hier an einem guten Tag zusammen. 2014 reichte es Markus Steininger und fünf anderen Nebelbergern. Sie gründeten die "Breitbandinitiative Richtung Zukunft“. Ihr Ziel: Nebelberg soll ein so schnelles Internet wie Tokio bekommen.

Video: Simone Grössing
Ungleiche Verteilung

Zwei Jahre lang versucht die "Breitbandinitiative Nebelberg", den Internet-Anbieter A1 von einem Glasfasernetzausbau zu überzeugen. Doch dieser lehnt stets ab, da sich ein Ausbau nicht rentieren würde. „Sie haben gesagt bei mehr Interessenten wären sie dabei“, erzählt Thomas Riener, ein weiteres Mitglied der Initiative. Als kleiner Ort habe man es schwer, meint er: „Wenn man das zu einem Unternehmen sagen würde, das wäre ein Wahnsinn.“ So wie Nebelberg geht es vielen Gemeinden in Österreich – Breitbandinternet ist in Österreich ungleich verteilt, denn die Internet-Anbieter zeigen an einem Ausbau am Land nur wenig Interesse. 

 

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Grafik: Magdalena Onderka
Der Umbau beginnt

Doch Steininger und sein Team geben nicht auf. Er informiert die Einwohner über die Möglichkeit eines schnelleren Internets. Immer mehr Nebelberger haben daran Interesse. Als genug potenzielle Kunden gesammelt sind, interessiert sich plötzlich nicht nur A1, sondern auch die Energie AG für den Ausbau. Diese beginnt im Herbst 2016 schließlich den Bau des Breitbandinternets in Nebelberg.

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Kosten: Über 600.000€

Mittlerweile sind drei von vier Ortsteilen der Gemeinde Nebelberg angeschlossen und die Nebelberger können mit 100mbit/s surfen. Ziel der "Breitbandinitiative" ist eine Netzabdeckung von 98%. Die Kosten des Ausbaus belaufen sich bisher auf geschätzte 600.000 Euro. Die Hälfte davon decken Förderungen der "Breitbandmilliarde" des Bundes. Diese wurden dazu geschaffen, um die Kluft zwischen Land und Stadt, in Sachén Internetgeschwindigkeit zu schließen. Der Rest teilt sich zwischen Land und Energie AG auf.

Video: Nikolaus Riss

Tor zur Welt 

Laut Infrastrukturministerium soll ein Drittel der unterversorgten Haushalte in Österreich inzwischen dank der "Breitbandmilliarde" mit  High-Speed-Internet ausgerüstet sein. Bis zum Jahr 2020 soll es in ganz Österreich 100 Mbit/s schnelles Internet geben. Ob die Breitbandmilliarde dazu ausreichen wird, bleibt offen. Zumindest Nebelberg ist jetzt mit dem Rest der Welt endlich verbunden.

30.08.17