EINE WOCHE. EIN THEMA.

Wie kann ich Müll vermeiden?

Einwegbesteck auf Grillpartys, das Plastiktragerl für die Pfirsiche. Das sind Dinge, die nicht mal fünf Minuten in Verwendung sind, bevor sie weggeschmissen werden. Allein in Wien landen jeden Tag 200.000 Kaffeebecher im Müll. Dabei könnte man mit ein bisschen guten Willen seinen Abfall um einiges reduzieren.

Die Sache mit den Cocktailtomaten

Text: Irina Oberguggenberger

Da stehe ich also am Gemüseregal, begutachte die überraschend große Auswahl an Tomaten und schiele auf die, die mir am liebsten sind: Kleine Cocktailtomätchen. Knackig und süß. Daneben liegen – ebenfalls aus regionalem Anbau – die „Normalo“-Tomaten. Tennisballgroß und fleischig. Das Problem: Die Normalos liegen lose im Korb, bereit ins Stoffsackerl gelegt zu werden, während die Cocktailtomaten in einer Plastikwanne mit Plastikdeckel verpackt sind. Ich bleibe noch ein bisschen stehen, überlege und greife dann zu den unverpackten Normalos. Eine umweltbewusste Bürgerin zu sein ist ganz schön anstrengend.

Video: Redaktion: Irina Oberguggenberger, Kamera: Jürgen Bauernfeind, Schnitt: Patrick Artner, Grafik: Magdalena Onderka

Müll-Problem Verpackungen

Verpackung bietet Werbefläche. Darauf zu verzichten, kommt für viele Hersteller nicht in Frage. Ein Produkt muss wiedererkennbar sein und sich gegen die Konkurrenz durchsetzen können. Das gilt auch für Lebensmittel. Verpackungsfreie Ware ist also selten, und verpackungsfrei einzukaufen ist gar nicht so einfach. Die Möglichkeiten: So genannte Unverpackt-Läden, Wochen- oder Bauernmärkte und auch herkömmliche Läden, in denen unverpackte Ware angeboten wird. 

Video: Grafik: Magdalena Onderka

Müllvermeidung heißt Verzicht

Müllvermeidung kann bedeuten, auf Dinge zu verzichten oder sich für ein Produkt zu entscheiden, das geschmackstechnisch vielleicht nicht die erste Wahl ist (ich erinnere an die Cocktailtomaten). Aber wer ist dazu tatsächlich bereit? Wie bewusst kaufen die Wienerinnen und Wiener ein? Meine Kollegin, Meins-Reporterin Nina Hochrainer hat den Einkaufssackerl-Check gemacht:

Video: Redaktion: Nina Hochrainer, Schnitt: Patrick Artner

Lohnt sich die Mühe?

Der Sackerl-Check zeigt, dass manche Kunden bei einem kleinen Einkauf drei Plastiksackerl verwenden. Doch auch mit meiner Stofftasche und dem Vorsatz, Abfall zu vermeiden, werde ich weder die Regenwälder schützen, noch die Weltmeere retten. Warum soll man sich das Ganze also antun? „Gegen die Industrie und den Handel kann ich als einzelne Privatperson nun Mal nichts machen. Das Einzige, wo ich etwas verändern kann, ist bei mir selbst“ sagt Helene Pattermann. Sie ist Gründerin von ZeroWaste Austria und berät Unternehmen darin, wie sie Abfall vermeiden können. Privater Müll, also so genannter „Siedlungsabfall“, macht sieben Prozent des gesamten Abfalls in Österreich aus. Wichtig dabei: Dass nicht alles im Restmüll landet, sondern getrennt gesammelt wird. Selbst dann, wenn etwa auf der Glasflasche der Metallverschluss draufbleibt. Die österreichischen Müllsortierungsanlagen können damit umgehen.

Video: Redaktion: Irina Oberguggenberger, Grafik: Magdalena Onderka, Schnitt: Bernhard Lang

Heizen mit Bioabfall

Österreich darf sich in Sachen Recycling auf die Schulter klopfen. In kaum einem anderen europäischen Land wird so fleißig Müll getrennt. Auch das ermöglicht, das etwa 65% des österreichischen Abfalls recycelt werden. Vor allem am Land sind die Menschen konsequent, in Wien gibt es dagegen noch Luft nach oben. So trennen nach einer Umfrage für den Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe nur 36 Prozent der Wienerinnen und Wiener ihren Biomüll. Dabei wäre das in den Innenstadtbezirken von großem Vorteil. Durch die Aufbereitung in Bioerdgas werden über 900 Haushalte mit Gas für Heizung und Herd versorgt.   

Video: Video: Lisa Lugerbauer, Schnitt: Patrick Artner

Unterwegs mit der Müll-Motivatorin

Dass so viel recycelt wird, ist vor allem den älteren Generationen zu verdanken. Je jünger die Menschen, desto fauler sind sie beim Müll trennen. Penny Fox will das ändern. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, andere zu sensibilisieren. Vor allem bei Großveranstaltungen sieht sie Verbesserungsbedarf in Sachen Müllvermeidung. Bei Festivals etwa fordert sie die Besucherinnen und Besucher heraus: Wer kann in vorgegebener Zeit mehr Zigarettenstummeln sammeln? "Ecotainment" nennt Penny Fox solche Aktionen. Wir haben ihren Einsatz am Acoustic Lakeside Festival begleitet.

Video: Redaktion: Johanna Hirzberger, Kamera: Wout Kichler, Schnitt: Patrick Artner

482 Kilo

Aufs Jahr gerechnet häuft jeder Österreicher und jede Österreicherin einen 482kg schweren Müllberg an, Tendenz steigend. Mit immer größer werdendem Wohlstand nimmt auch der Konsum und damit der Abfall zu. Und damit auch die Notwendigkeit Müll zu vermeiden. Das braucht Willen und oft etwas Planung, ist im Alltag aber durchaus integrierbar.

25.07.18