EINE WOCHE. EIN THEMA.
Matura - und jetzt?
Es ist das Ende einer langen Reise: 41.000 junge Österreicherinnen und Österreicher haben in diesen Wochen ihre Matura gemacht. Mündliche und schriftliche Prüfungen, die beweisen sollen, dass sie fürs Leben gewappnet sind. Aber wie kann und soll dieses Leben eigentlich aussehen? [M]eins hat mit Maturantinnen und Maturanten gesprochen und gefragt, wie es für sie jetzt weitergeht.
Neuer Lebensabschnitt
Text: Irina Oberguggenberger

Zwölf oder dreizehn Jahre lang haben die MaturantInnen im Regelfall die Schulbank gedrückt. Je nachdem, ob sie sich für die AHS (Allgemeinbildende höhere Schule) oder eine BHS (Berufsbildende höhere Schule) entschieden haben. Die Matura ist nicht nur der Abschluss dieser Schullaufbahn, sondern auch das Ende eines Lebensabschnitts. 

Ich fühle mich jetzt freier, nachdem ich die letzte Prüfung gemacht habe.
Romy Rischawy
Maturantin

„Es war schon ein vorgegebener Weg, den du zu Ende bringen musst. Jetzt ist es offener. Ich kann selbst entscheiden, welchen Weg ich gehen will – ich fühle mich jetzt freier, nachdem ich die letzte Prüfung gemacht habe“, sagt die 18-jährige Romy.

Video: Peter Stacher
Studium? Nein, danke!

Auch Yvonne Übelbacher aus der 5AK ist erleichtert, dass sie die Matura in der HAK Eisenstadt hinter sich hat. „Ich hoffe, das Leben fängt jetzt erst an“, sagt sie. Im Juli fährt sie mit ihrer Familie zur Starnacht am Wörthersee, das hat sich Yvonne zur Matura gewünscht. Danach beginnt für die 19-Jährige die Jobsuche. Studieren ist für sie kein Thema.

Video: Rita Korunka
Mehr MaturantInnen

Die Zahl der MaturantInnen in Österreich steigt - trotz insgesamt sinkender Schülerzahlen. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Einerseits entscheiden sich anteilsmäßig einfach mehr Jugendliche dafür eine maturaführende Schule zu besuchen, andererseits holen auch mehr junge Menschen, die diese Entscheidung nicht getroffen haben, später ihre Matura nach. 

Insgesamt sind es laut Statistik Austria dennoch nur etwa 42 Prozent, also nicht einmal die Hälfte der 18- und 19-Jährigen, die maturieren. Der Großteil davon sind Mädchen. Fast jede Zweite macht die Matura, bei den Burschen liegt der Anteil nur bei rund 36 Prozent.

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Joanna Sumyk
Zukunftsängste

Eine Garantie für einen Job ist gerade die AHS-Matura aber nicht, das wissen auch die Jungen. Sicherheit und regelmäßiges Einkommen sind deshalb Themen, die die Maturantinnen bereits jetzt beschäftigen.

Vor allem aber soll der Beruf sie glücklich machen. Das ist ein Ergebnis von "Generation What", der größten Jugendumfrage Österreichs, bei der knapp 90.000 junge Menschen befragt wurden. Daniel Schönherr vom SORA Institut hat diese Umfrage ausgewertet. Er sagt: "Das einzige, das Jugendliche von ihren Eltern hören, ist: Hauptsache du bist glücklich. Das ist natürlich positiv zu sehen, auf der anderen Seite setzt einen dass auch unter enormen Druck."

Video: Rita Korunka
Matura, wofür?

Aber lohnt sich eine Matura überhaupt noch? Oder dient sie nur als Ausgangspunkt für die Universität? „Wenn du ein Gymnasium besuchst, wird schon vermittelt: Nach der Matura kommt das Studium“, sagt Romy. „Im Gymnasium, da reicht die Matura nicht aus, um einen guten Job zu finden“, findet auch Yvonne. Tatsächlich beginnen rund 70 Prozent aller MaturantInnen ein Studium.

Im Großen und Ganzen sieht man, dass die Reifeprüfung in Österreiche einen hohen Stellenwert hat.
Peter Schlögl
Bildungsforschungsinstitut

Was sagt der Experte? „Mit der Matura belegt man, dass man sich über Jahre hinweg intensiv mit einer Fülle an Inhalten auseinandergesetzt hat. Und das ist oft eine wertvolle Ausgangsbasis für das Weiterlernen“, so Peter Schlögl vom Institut für Bildungsforschung. Insgesamt habe die Reifeprüfung aber nach wie vor einen hohen Stellenwert in Österreich.

Video: Peter Stacher
Wissen, was man will

AHS-MaturantInnen zieht es hauptsächlich an die Unis, und das ist auch gut so. Wer nach der Matura lieber sofort in den Arbeitsmarkt einsteigt, hat bessere Chancen, wenn er oder sie sich schon einen Schritt vorher für eine Berufsbildende höhere Schule entscheidet. Dazu muss man, wie Romy, früh wissen, was man will. Genau da liegt für viele SchülerInnen das Problem - und die Herausforderung. 

27.06.17