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Hanf am Gebirge
Vor den Toren Wiens hat sich still und leise die inoffizielle Hauptstadt für Hanfanbau etabliert. In Brunn am Gebirge befinden sich die größten Growshops Österreichs und machen mit Cannabispflanzen Millionen.

Laut österreichischem Suchtmittelgesetz §6 (2) ist „der Anbau von Pflanzen zwecks Gewinnung von Suchtgift“ verboten. Solange man als Kunde also nicht die Absicht hegt, aus den Blüten der Cannabispflanze Joints zu rollen, ist der Anbau von Hanf legal. Aufgrund dieser lockeren Gesetzeslage ist Österreich – und insbesondere Brunn am Gebirge – zum Knowhow-Zentrum für Hanfanbau geworden. „Es hat sich mehr oder weniger zufällig entwickelt. Die Kollegen von Bushdoctor waren die ersten, die sich hier 2007 angesiedelt haben. Danach ist ein großer Stecklings-Anbieter dazu gekommen“, sagt Stivi Wolyniec, Mitinhaber des Growshops Bushplanet, der 2010 nach Brunn gekommen ist.

Branche erwachsen geworden 

Wolyniec ist gerade dabei einen Branchenverband für die österreichischen Hanfpflanzer zu gründen. Denn in den letzten Jahren hat sich die Branche zu einem echten Wirtschaftsfaktor entwickelt. Allein in Brunn am Gebirge bieten die drei großen Anbieter mehr als 100 Arbeitsplätze und erwirtschaften gemeinsam 20 Millionen € Umsatz im Jahr. 

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„Früher war es eine junge, wildere Branche. Man hat am Anfang darauf Wert gelegt, auch auf der Straße wahrgenommen zu werden. Mittlerweile ist die Branche erwachsen und reifer geworden. Ich glaube, dass es unsere Aufgabe ist, einen sinnvollen Beitrag zur gesetzlichen Gestaltung in Österreich zu leisten.“ Die legere Gesetzeslage könnte sich bald ändern. Im neuen Regierungsprogramm ist nämlich von einem „Verbot des Verkaufs von Hanfsamen und Hanfpflanzen“ die Rede. Laut Wolyniec könnte das ein Drittel der etwa 250 Growshops treffen. 

Redaktion: Hanna Sommersacher
Kunden aus ganz Europa

Doch was passiert eigentlich mit den im Growshop verkauften Pflanzen? Und wer kauft dort ein? Laut Tim Mara, ebenfalls Inhaber von Bushplanet, sind die Kunden sehr unterschiedlich: „Wir haben viele kleine, ambitionierte Pflanzenzüchter. Und in letzter Zeit auch viele große Züchter, die auf  CBD setzen." (Anm. d. Red.: Cannabidiol ist ein Wirkstoff, der für medizinische Produkte verwendet wird). In den Shop kommen Privat- und Großkunden aus ganz Europa.  

 

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Grafik: Magdalena Onderka, Redaktion: Magdalena Harmat
Bürgermeister sieht das entspannt

Für den Brunner Bürgermeister Andreas Linhert (SPÖ) ist die Bekanntheit seiner Gemeinde in der internationalen Hanfszene neu. Doch daran stört er sich nicht, im Gegenteil: man bekomme ja für alle Firmen Kommunalsteuer. „Hanf ist eine alte Kulturpflanze und eine Heilpflanze. An und für sich spricht gegen Hanf – sofern er in legaler Form produziert und vertrieben wird – gar nichts.“ Die Regierungspläne für das Aus der Hanfpflanze, hält er für eine populistische Maßnahme.Wann das Verbot kommt und wie es aussehen wird? Das steht noch nicht fest. Die zeitliche Planung läuft gerade. Bald könnten aber viele Hanfpflanzen aus Österreich verschwinden. 

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Das Gras der Republik 

Schon jetzt gibt es eine wichtige Ausnahme im Suchmittelgesetz: Die Republik Österreich darf Hanf sogar zur Gewinnung von Suchtmittel anpflanzen. Was die wenigsten wissen: Sie macht das auch. Beauftragt ist die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Sie baut hochoffiziell und legal Cannabis an – und erntet jedes Jahr die Blüten. Daran wird auch ein gesetzliches Verbot für Hanfsamen und Stecklinge nichts ändern. 

QUERFELDEINS

Im Rahmen der Reportage-Serie QUERFELDeins ist [M]eins in den Gemeinden unterwegs und auf der Suche nach Themen, Problemen und Ideen, die für ganz Österreich spannend sein könnten. Wo sollen wir als nächstes hinkommen? Schreibt uns auf der [M]eins Facebook-Seite oder eine E-Mail an infoeins@orf.at.

07.02.18