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Gesünder sitzen
8.971 Menschen sitzen in Österreich im Häfen. Wer Pech hat, landet in einer 6er-Zelle und ist 23 Stunden am Tag eingesperrt. Wer Glück hat und nicht zu viele Monate Haft ausfasst, landet zum Beispiel in der Justizanstalt Korneuburg. Eine der modernsten Haftanstalten Österreichs. Wie schaut ein modernes Gefängnis aus und sitzt man dort besser? QUERFELDeins hinter Gittern.
Neubau mit Konsequenzen
Text: Hanna Sommersacher

Die Justizanstalt Korneuburg ist ein Gefangenenhaus für Untersuchungshäftlinge und Strafgefangene mit einer Haftzeit von maximal 18 Monaten. Bis vor wenigen Jahren war das ein völlig veraltetes Gefängnis. Wie so viele in Österreich. Dunkle, verwinkelte Gänge. Überfüllte Zellen, kaum Freigang. 23 Stunden verbrachten die Häftlinge damals pro Tag in der Zelle. „In der alten Anstalt haben wir bis zu sechs Insassen auf 25 Quadratmeter untergebracht“, erinnert sich Wolfgang Turner, der Leiter der Justizanstalt. 2012 ist das Gefängnis in ein neu gebautes Justizzentrum umgezogen. In der QUERFELDeins-Reportage zeigen wir, was sich dadurch verändert hat und warum die Insassen jetzt weniger Beruhigungsmittel schlucken:

Video: Hanna Sommersacher, Martin Gerhartl & Patrick Artner
Luxus-Gefängnis?

Aber geht es den Insassen in Korneuburg mit all diesen Freiheiten nicht viel zu gut? „Ich bin lange genug im Strafvollzug tätig, dass ich nicht glaube, dass es einem Insassen hier zu gut geht“, entgegnet Anstaltsleiter Turner. Der Strafvollzug sei dazu da, um das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu erfüllen, aber die Insassen hätten auch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. „Und das wird in solchen Einrichtungen wie bei uns jetzt besser erfüllt, weil sie weniger der Gefahr von körperlichen Angriffen ausgesetzt sind und weil der psychische Stress hier geringer ist als in einer herkömmlichen Anstalt.“ In der Justizanstalt Korneuburg sind die Kosten für Medikamente um 60 Prozent zurückgegangen.

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Immer noch ein Gefängnis

Die 36-jährige Manuela sitzt bereits zum dritten Mal wegen Diebstahls im Gefängnis. Die letzten Wochen ihrer 33-monatigen Haft sitzt sie jetzt in der Justizanstalt Korneuburg ab. „Du bist zwar eingesperrt, aber wir sind wie eine kleine Familie hier drinnen“, sagt sie. Es sei immer noch ein Gefängnis, aber hier habe fast jeder eine Einzelzelle inklusive Duschmöglichkeit und jeder habe die Möglichkeit, eine Therapie in Anspruch zu nehmen. Die Therapie habe ihr auch dabei geholfen, ihre Einstellung zu ändern. „Für mich war diese Strafe eine Lehre. So viel Strafe habe ich noch nie bekommen und ich lande sicher nie wieder im Gefängnis.“

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Magdalena Onderka
„Ein verhältnismässig normales Leben“

Josef Hohensinn hat unter anderem das Justizzentrum Leoben neu geplant und dort den Wohngruppenvollzug eingeführt. Hohensinn gilt als Vorreiter im Bereich der Gefängnis-Architektur und setzt sich für einen möglichst offenen Vollzug ein: „Im Mikrokosmos Haft soll ein verhältnismäßig normales Leben möglich sein.“ Laut seinem Konzept kann ein Häftling nur in einer wertschätzenden Umgebung Verantwortung für die eigene Schuld übernehmen.

Video: Hanna Sommersacher & Patrick Artner
Hohe Rückfallquote

Egal wie fortschrittlich ein Gefängnis gebaut ist und wie viele Angebote es für die Insassen gibt – auch bei den besten Voraussetzungen liegt es letztendlich doch am Einzelnen, dass er nicht wieder hinter Gittern landet. Die Rückfallquote ist hoch. Von allen Menschen, die in den letzten Jahren im Gefängnis saßen, wurde rund jeder Dritte wieder straffällig. Spannend wird, ob und wie sich diese Statistik durch moderne Haftanstalten verändert. 

22.12.17