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Mai 2016

Was wäre, wenn?

Europäisches Grenzenmanagement: Was passiert, wenn welche Grenzen geschlossen werden?



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Welche Grenzen sollen geschlossen werden?

Das Modell der österreichischen Wissenschafterin Tamara Vobruba macht die Auswirkung von Grenzschließungen anschaulich. Welchen Weg nehmen Flüchtlinge, wenn welche Grenze geschlossen wird? In der folgenden Grafik können User selbst auswählen, welches Szenario des europäischen Grenzenmanagements sie ansehen wollen. Wählen Sie eine der drei möglichen Szenarien aus, und starten Sie mit einem Klick auf den "Play"-Button die Animation der jeweiligen Prognose. Ein kurzer Erklärungstext erläutert die Auswirkungen. In einem Videoclip gibt Migrationsforscher Heinz Fassmann weiterführende Informationen zum ausgewählten Szenario.

  • Balkanroute
  • Brenner
  • Deutschland

Die so genannte Balkanroute ist mittlerweile geschlossen. EU-Mitglieder und Nicht-Mitglieder arbeiten zusammen: Von Mazedonien bis Österreich gibt es kein legales Durchkommen für Flüchtlinge. Schon die Einreise nach Griechenland wurde mittlerweile für Migranten erschwert. Auch diejenigen, die weiterreisen wollen, werden in die Türkei zurückgeschickt ("Türkei-Deal"). Das Prognosemodell zeigt, welche Routen Flüchtlinge in diesem Sommer nehmen könnten. Ein Klick auf den "Play"-Button links oben startet die Animation.

Die gesperrte Balkanroute verhindert, dass Flüchtlinge jenen Weg wählen, der schon im Sommer 2015 viele nach Europa geführt hat. Ein rechtliches Fragezeichen besteht für all jene, die bereits auf dem Weg über den Balkan waren, als die Grenzen geschlossen wurden - und jetzt etwa im Flüchtlingslager in Idomeni festsitzen. Sie können nicht vor - und nicht zurück.

Die offene Brennergrenze ist ein Symbol eines gemeinsamen Europas und der wirtschaftlichen Einheit. Die Grenze verläuft quer durch Tirol und trennt das österreichische Nord- und Osttirol vom italienischen Südtirol. Seitdem die Grenze "offen" ist, also nicht mehr kontrolliert wird, läuft ein großer Teil des Warenverkehrs zwischen den Wirtschaftsmächten Deutschland und Italien über den Brenner. Im Frühjahr 2016 gab es leichte diplomatische Verstimmungen zwischen Österreich und Italien, weil Österreich die Infrastruktur geschaffen hat, um die Grenze bei Bedarf schließen zu können. Was, wenn die Grenze tatsächlich geschlossen wird? Das zeigt diese Flüchtlingskarte. Ein Klick auf den "Play"-Button links oben startet die Animation.

Momentan ist die gesperrte Brennergrenze nur ein Druckmittel Österreichs - es dient der Abschreckung. Im Sommer 2015 war Österreich eines der Länder, das die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat. Bei Bedarf könnte die Grenze jederzeit geschlossen werden: Die technischen Voraussetzungen sind geschaffen. Es ist auch ein Druckmittel Österreichs an die Regierung in Italien. Dort ist man wegen des Handels an einer offenen Grenze interessiert.

Die so genannte "Willkommenspolitik" der deutschen Kanzlerin Merkel hat Menschen aus Syrien und darüber hinaus dazu ermutigt, nach Europa zu flüchten oder auszuwandern. "Wir schaffen das" wurde zum Leitsatz. Was wäre, wenn Deutschland diese Politik beendet? Wohin würden die Flüchtlinge dann gehen? Das zeigt diese Karte. Die Animation beginnt mit Klick auf den "Play"-Button links oben.

Selbst wenn ein Staat in Europa von heute auf morgen überraschend seine Grenzen schließt: Es heißt nicht, dass gar keine Migranten mehr ins Land dürfen. Auf Grundlage der Menschenrechte besteht nämlich ein "Recht auf Familienleben". Staaten müssen daher in gewissem Ausmaß den so genannten "Familiennachzug" erlauben.

LEGENDE
Asylanträge
Transit (Durchreise)
Alle Grenzen geschlossen
Grenze Österreich | Ungarn
Grenze Griechenland | Mazedonien
Grenze Serbien | Ungarn
Grenze Südeuropa | Österreich
Grenze Italien | Slowenien
Grenze Türkei | Griechenland
Nordeuropa: Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark
Südeuropa: Italien, Spanien, Portugal
Südosteuropa: Albanien, Bosnien, Montenegro
Osteuropa: Slowakei, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Polen, Litauen, Estland, Lettland
Westeuropa: Vereinigtes Königreich, Holland, Belgien, Frankreich