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Mai 2016

Wohin?

Grenzen auf, Grenzen zu. Mit wieviel Flüchtlingen aus Syrien hat Europa in diesem Sommer zu rechnen? Und wie können sie gelenkt oder aufgeteilt werden? Ein neues mathematisches Modell macht Flüchtlingsbewegungen anschaulich und eine Prognose möglich. Diese Woche exklusiv auf [M]eins.



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Kommt wieder ein Flüchtlings-Sommer?

Die Flüchtlingsbewegung aus Syrien stellt Europa und Österreich auf eine harte Probe. Was tun mit den Flüchtlingen? Wie viele kann und soll Europa aufnehmen? In verschiedenen Ländern sind politische Fragen rund um Flüchtlinge zu einem bestimmenden Thema geworden: Auch in Österreich. Mit dem Beginn der wärmeren Jahreszeit rechnen viele wieder mit mehr Flüchtlingen, die sich auf den Weg Richtung Europa machen. Wieviele sind das? Und welche Route werden sie nehmen? Fragen, die die Sicherheitsexperten in Europa im Moment beschäftigen. Ein interessantes Berechnungsmodell kommt aus Österreich. Erstellt hat es Tamara Vobruba, eine junge Wissenschafterin in Wien. Betreut von Experten des Zentrums für Computational Complex Systems an der TU Wien und Profis der Datenaufbereitung wurde speziell für [M]eins ein Modell entwickelt. Ein Modell, das ausgehend von der Flüchtlingsbewegung des Vorjahres errechnet, wohin Flüchtlinge ziehen wollen. Im Vorjahr sind die Flüchtlinge über den Balkan zu uns gekommen. Das ist dieses Jahr nicht mehr möglich. Die Balkan-Route ist geschlossen. Und: Es gibt den so genannten "Türkei-Deal". Wer aus Syrien über die Türkei nach Europa kommt, wird wieder in die Türkei zurückgeschickt. Die Voraussetzungen sind also anders als noch vor einem Jahr. Und so lautet die Prognose für die nächsten Monate. Ein Klick auf das "Play"-Symbol links oben startet die Animation der Prognosekarte.

LEGENDE
Asylanträge
Transit (Durchreise)
Alle Grenzen geschlossen
Grenze Österreich | Ungarn
Grenze Griechenland | Mazedonien
Grenze Serbien | Ungarn
Grenze Südeuropa | Österreich
Grenze Italien | Slowenien
Grenze Türkei | Griechenland
Nordeuropa: Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark
Südeuropa: Italien, Spanien, Portugal
Südosteuropa: Albanien, Bosnien, Montenegro
Osteuropa: Slowakei, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Polen, Litauen, Estland, Lettland
Westeuropa: Vereinigtes Königreich, Holland, Belgien, Frankreich

Auf diesen interaktiven Karten lassen sich die Auswirkungen von Grenzschließungen erkennen.

Balkan zu? Brenner zu? Deutschland zu? Hier gibt es weitere Szenarien zum Auswählen - und die jeweiligen Auswirkungen...

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So hat das im Sommer 2015 ausgesehen

Ausgangspunkt für die verschiedenen Prognose-Szenarien ist das das Modell, das Tamara Vobruba für die Bewegungen im Sommer 2015 erstellt hat. Wir erinnern uns: Damals ist Europa unvorbereitet von der Migrationsbewegung aus Syrien getroffen worden. In der Not haben damals viele Private und Nicht-Regierungs-Organisationen rasch und unbürokratisch geholfen. Die politische Antwort jedoch hat lang gedauert. Während in Deutschland Angela Merkel Flüchtlinge willkommen aufgenommen hat ("Wir schaffen das!"), gab es in Österreich lang ein Hin-und-Her. Politische Hintergründe, die sich auch auf dieser Karte wiederspiegeln: Das ist der "Flüchtlings-Sommer" von 2015 in einer Infografik. Mit einem Klick auf das "Play"-Symbol links oben wird die Animation gestartet.

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Südeuropa: Italien, Spanien, Portugal
Südosteuropa: Albanien, Bosnien, Montenegro
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Alle wollen nach Deutschland

Deutschland, Österreich, Schweden: Innerhalb Europas gab es drei Länder, die für Flüchtlinge in der Vergangenheit besonders attraktiv schienen. Warum ist das so? Es liegt an den "Push"-Faktoren und den "Pull"-Faktoren, sagt Tamara Vobruba. Also gewisse Faktoren, die Länder auf Flüchtlinge besonders anziehend oder abstoßend erscheinen lassen. Wie ausgebaut ist der Sozialstaat? Wie einfach lässt sich Arbeit finden? Oft genug greifen Migranten hier nicht auf reale Daten zurück, sondern verlassen sich aufs Hörensagen. Welche Erfahrungsberichte hört man aus dem Freundeskreis? Das Image eines Landes ist hier mindestens genauso wichtig wie die tatsächlichen Wirtschaftsdaten. All das hat Tamara Vobruba in ihrem Prognosemodell in mathematische Formeln übersetzt. Formeln, die errechnen, wie viele Flüchtlinge in den Prognosekarten über welche Grenze gehen.

Eine dauerhafte EU-Quote wäre eine komplette Niederlage für Europa.

Eine Quote, wo jedes Land Flüchtlinge "zugeteilt" bekommt? Politisch unvorstellbar. Doch Österreich hätte damit im vergangenen Sommer weit weniger Flüchtlinge gehabt...

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Ministerpräsident der Slowakei | Robert Fico

Wohin?

Wohin mit den Flüchtlingen? Eine europäische Lösung für "Kontingente", also eine Verteilung, gibt es nicht. Die Hoffnung liegt auf dem Deal mit der Türkei. Asylwerber sollen dort in Sicherheit bleiben, ohne dass sie das Gebiet der EU betreten. Flüchtlinge, die trotzdem nach Europa wollen, werden auch in der Zukunft einen Weg finden. Auf abenteuerlichen und oft lebensbedrohlichen Wegen - zu Fuß nach Bulgarien, oder in Booten übers Mittelmeer. Wie Europa damit umgehen wird, ist immer noch ungeklärt. Nur weil ein Grenzübertritt illegal ist, heißt das nicht, dass die Grenzen nicht überschritten werden. Schleuser, Schlepper und andere Kriminelle verdienen gutes Geld mit Verzweifelten, die sich in Europa eine Zukunft aufbauen wollen.

Das Geschäft der Schlepper

Wenn es keine legalen Möglichkeiten mehr gibt, nach Europa zu kommen, heißt das nicht, dass es gar nicht mehr möglich wäre. Gefälschte Papiere, Schlepperkriminalität, Bestechung: Not macht erfinderisch. Doch die Methoden der Schlepper sind oft gefährlich. Und teuer. Vor nicht einmal einem Jahr sind 71 Menschen in einem LKW auf der burgenländischen Autobahn tot aufgefunden worden. Qualvoll erstickt - von ihren Schleppern im Auto zurückgelassen.