EINE WOCHE. EIN THEMA.
Fakebook
Fake-News und einseitige Newsfeeds: Wer sich über Facebook eine Meinung bildet, läuft Gefahr falsch informiert zu werden. Wie es dazu kommt und was man dagegen tun kann.
Facebook und die US-Wahl
TEXT: Simone Grössing

Es waren keine leichten Wochen für Mark Zuckerberg. Seit den US-Wahlen steht der 32-jährige Facebook-Chef unter Dauerbeschuss. Viele sind sich darüber einig, dass Facebook verantwortlich dafür sei, dass Donald Trump die Wahl gewonnen hat. Zuckerbergs Algorithmus soll es ermöglicht haben, dass falsche Nachrichten zugunsten Trumps viral verbreitet und dass die Amerikaner über Facebook einseitig über die Wahl informiert wurden. Als "ziemlich verrückte Idee" hat der Facebook-Chef diese Vorwürfe anfangs noch abgetan. Laut ihm sollen nur 1% der Nachrichten auf Facebook gefälscht sein. Eine Analyse des Medienportals Buzzfeed zeigt aber, dass während des US-Wahlkampfes Falschmeldungen auf Facebook weiter verbreitet wurden, als Meldungen von seriösen Seiten: Die 20 reichweitestärksten Falschmeldungen von unseriösen Medienportalen wurden mehr als 8,7 Millionen Mal weitergeleitet oder kommentiert. Die 20 am stärksten verbreiteten Wahlkampfnachrichten seriöser Medien-Websites, wie etwa der "New York Times" oder der "Washington Post", wurden hingegen nur knapp 7,4 Millionen Mal geteilt oder kommentiert. 

Reich mit Lügen

Aus Fake-News hat sich ein lukratives Business entwickelt. Dass man mit Online-Lügen reich werden kann, zeigt etwa das Beispiel mazedonischer Jugendlicher, die hunderte Webseiten mit gefakten Content zur US-Wahl betrieben. Auf Facebook wurden die Beiträge weit verbreitet. Je mehr Menschen auf diese Artikel klickten, desto mehr Geld floss auf die Konten der mazedonischen Teenager. Einige sollen damit monatlich bis zu 5.000 Dollar eingenommen haben. Betreiber von Fake-News-Webseiten wie "American News", "DC Gazette" oder "Denver Guardian”, machen mit falschen Nachrichten aber nicht nur viel Geld, sondern oft auch politisch Stimmung. Laut der Buzzfeed-Studie zur US-Wahl war der Großteil der im US-Wahlkampf verbreitenden Fake-News etwa eindeutig pro Trump.

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Bilder: Joanna Sumyk
Echt oder fake?

Die Wiener Blogger Sebastian Hoff und Tom Wannenmacher sind über die aktuelle Entwicklung auf Facebook alarmiert. Auf ihrer Seite mimikama.at decken sie seit Jahren Lügen im Internet auf. Sie kämpfen vor allem gegen Falschinformationen an, mit denen der "Hass im Internet geschürt wird", wie sie sagen. Hoff und Wannenmacher bieten auf ihrer Seite unter anderem eine "Hoax-Map" an, wo Gerüchte über Asylsuchende gesammelt und widerlegt werden. Die beiden kommen mit dem Überprüfen von Fakes auf Facebook kaum mehr nach. „Wir haben das Gefühl, dass wir uns alleine mit nur einem Sandsack in einen Tsunami stellen, der droht, die Grundfesten unserer Demokratie hinfort zu spülen“, heißt es in einem ihrer Blogeinträge.

 

Demokratie funktioniert nur, wenn alle ausreichend und vor allem auch richtig informiert sind.
Tom Wannenmacher
Blogger

Da Facebook Falschmeldungen bisher weder löscht noch kennzeichnet, tun sich viele immer schwerer seriösen von unseriösen Content zu unterscheiden. Besonders junge Menschen sind davon betroffen: Laut einer Oxford-Studie liest in Österreich fast die Hälfte aller unter 35-Jährigen wöchentlich Nachrichten auf Facebook. Meins-Reporter Gerhard Maier hat SchülerInnen der 4. und 5. Schulstufe der HAK Eisenstadt ein Facebookvideo gezeigt und gefragt: fake oder echt?

 

 

Der Algorithmus

Wieso funktionieren aber Fake-News eigentlich so gut auf Facebook? Wie kann es sein,
dass sie es immer wieder in die „Trending Topics“ schaffen? Und, dass sie sich schneller
und weiter verbreiten als die Nachrichten von seriösen Medien? Da Fake-News oft emotionale Inhalte enthalten, bekommen diese meist mehr Reaktionen von Usern. "Viele lesen nur noch die Headlines und klicken drauf", so der Journalist Helge Fahrnberger. Dann kommt ein komplizierter Algorithmus ins Spiel. Dieser sorgt dafür, dass beliebte Posts mehr Leute erreichen. Das Problem dabei aber ist, dass er bisher nicht zwischen "fake" und "echt" unterscheiden konnte.

 

 

 

 

Facebook hat ein wirtschaftliches Interesse an Fake News.
Jakob Steinschaden
Social Media-Experte
Gefangen in der Bubble

Der Algorithmus sagt also voraus, wie einzelne User auf einen Post reagieren werden. Ob sie ihn liken, kommentieren, verstecken oder als Spam markieren. Facebook weiß also welcher Content uns gefällt und welcher nicht. Er sorgt dafür, dass Inhalte, die jemand gut findet, im personalisierten Newsfeed landen. Das heißt zum Beispiel, dass man eher Nachrichten zu sehen bekommt, die den eigenen politischen Überzeugungen entsprechen. Der Effekt ist, dass man im Newsfeed nur noch gefilterte Informationen bekommt. Und, dass wir uns online in Blasen bewegen, wo wir eben nur noch das sehen, was uns gefällt. So haben wir auf Facebook nur noch mit Gleichdenkenden zu tun. Unsere Meinungen werden in diesen Echokammern ständig bestätigt und gefestigt. So enstehen schnell einseitige Überzeugungen. Einmal drinnen, kommt man aus dieser Meinungsblase nur noch schwer wieder raus. Was man tun kann, um ihr trotzdem zu entkommen, zeigt unser Reporter Peter Stacher.

 

Wir müssen Medien wieder verantwortungsvoller konsumieren.
Helge Fahrnberger
Online-Unternehmer
Facebook und die Demokratie

Vor noch nicht allzu langer Zeit gab es noch die Hoffnung, Social Media könnte die Demokratie stärken. In sozialen Netzwerken wie Facebook oder twitter, könnten sich die Menschen nicht nur vernetzen, sondern sich auch informieren und das über unzählige Kanäle. In den letzten Jahren wurde aus dieser Hoffnung aber eine wachsende Besorgnis. „Wenn alles auf Facebook gleich aussieht und keine Unterschiede gemacht werden, wissen wir nicht mehr, was wir schützen müssen. Und für was wir kämpfen müssen. Das könnte uns viele Freiheiten kosten“, so Barack Obama in einer Rede zum Fake-News-Problem. Immer mehr Kritiker befürchten, dass gefälschte Nachrichten und Echokammern die Demokratie nachhaltig schädigen könnten. Das bringt Zuckerberg jetzt in ein Dilemma, in dem er sich schon zu Beginn des Wahlkampfes befand: Wie sehr soll und muss Facebook eingreifen, wenn das Ergebnis des Algorithmus bedenklich ist? Wie kürzlich bekannt wurde, hat sich Zuckerberg nun doch dazu entschieden, gegen Falschmeldungen gezielter vorzugehen. Man arbeite gerade an einem Programm, das Usern ermöglichen soll, Falschmeldungen zu markieren, heißt es. Fake-News sollen zukünftig zumindest mit Warnungen versehen werden, nachdem sie gemeldet und von Facebook geprüft wurden.

22.11.16