EINE WOCHE. EIN THEMA.
Ein Trump als Präsident
Er ist laut, er ist egozentrisch, er ist beleidigend und vor allem erfolgreich. Donald Trump trotzt jeglichen Vorhersagen und positioniert sich als ernstzunehmender Kandidat für die US-Präsidentschaftswahlen am 8. November. Trotz (oder aufgrund?) seines mehr als umstrittenen Charakters. Wo sind seine Wurzeln? Wer sind seine Gönner? Und kann er als Präsident tatsächlich eine Mauer an der mexikanischen Grenze bauen lassen?
Oma und Opa aus Rheinland-Pfalz
Text: Irina Oberguggenberger

Es gab eine Zeit, in der Donald Trump behauptet hat, seine Großeltern kämen aus Schweden. Auch sein Vater hat das einmal behauptet, da die Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg in den USA nicht gerade beliebt waren. Donald Trump hat das dann einfach übernommen. Dabei kamen sowohl Oma als auch Opa Trump aus Kallstadt in Rheinland-Pfalz. Seine Großmutter hat Donald noch gekannt. Mittlerweile ist die Schweden-Sache vom Tisch. Nach einer TV-Doku über die Herkunft seiner Familie sagt er: „Ich habe großartige deutsche Wurzeln, ich bin sehr stolz darauf, großartiges Land! Aber wir alle lieben die Vereinigten Staaten doch am allermeisten. Aber ich liebe auch Kallstadt.“

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Fotos: Peter Stacher
Ausgetrumpt

In Kallstadt selbst ist von den Trumps nicht mehr viel übrig. Das Grab von Friedrich, Donalds Großvater, wurde vor einem Jahr aufgelassen. Hie und da finden sich aber noch ein paar entfernte Verwandte. [M]eins-Reporter Peter Stacher war vor Ort und hat sich auf die Suche nach ihnen gemacht.  

Money, money, money

Trump selbst sieht sich natürlich durch und durch als Amerikaner. Als einer, der es geschafft hat. Quasi als Best Example für den amerikanischen Traum. Nur, dass Trump nie Tellerwäscher war, sondern Multimillionär per Geburt. Als Sohn des überaus erfolgreichen Immobilienunternehmers Frederick Trump tritt er bald in die Fußstapfen seines Vaters. 1974, im Alter von 28 Jahren, übernimmt er sein Imperium mit zehntausenden Angestellten.

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Grafik: Joanna Sumyk
Steil nach oben

Mit Bau- und Hotelprojekten auf der ganzen Welt, einer großen Modelagentur, Aktiengeschäften, 16 unter seinem Namen veröffentlichten Büchern und vielen anderen Geschäften, machte Donald seinen Nachnamen zu einer der wertvollsten Marken der USA. Trump steht für Erfolg, für Luxus, für Geld. Trotz der Tatsache, dass Teile seines Geschäfts immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten geraten.  

Es war nicht einfach für mich. Ich habe in Brooklyn angefangen. Mein Vater gab mir nur einen kleinen Kredit von einer Million Dollar.
Donald J. Trump
US-Präsidentschaftskandidat

Eigene Reality-Shows und zahlreiche TV-Auftritte katapultierten Donald Trump Anfang der 2000er in der Promi-Liste noch weiter nach oben. Und mit ihm seine Familie. Tochter Ivanka und Ehefrau Melania sind die berühmtesten Mitglieder des Trump-Clans. Auch letztere geizt nicht gerade mit Selbstbewusstsein. So beginnt Melanias Biografie mit den Worten: „Sie ist ein perfektes Beispiel für Professionalität, Mutterschaft und Ehrgeiz.“ Insgesamt hat Donald Trump fünf Kinder mit drei verschiedenen Frauen.  

Gegen das Establishment

Als in einer Simpsons-Folge im März 2000 von Trump als US-Präsident die Rede ist, klopfte man sich auf die Schenkel. Donald Trump als Präsident? Ein Witz in einem Cartoon, nichts weiter. Auch letztes Jahr im Juni, als er offiziell seine Kandidatur bekannt gibt, ist die Reaktion ähnlich. Trump wird von allen Seiten belächelt. Ernsthafte Chancen? Niemals! Und bumm. Gut ein Jahr später ist der Immobilien-Tycoon nicht mehr weit davon entfernt, tatsächlich ins Weiße Haus einzuziehen. ExpertInnen zerbrechen sich den Kopf darüber, wie er sich dermaßen gut positionieren konnte. Es scheint, als hätten Populisten ein unvorhersehbares Potential riesigen Ausmaßes.

Er meint es ernst, wenn es darum geht, seine Einschaltquoten zu erhöhen.
Michael D'Antonio
Trump-Biograf

Immer wieder kommt es im Wahlkampf zu groben Fehltritten. Zum Beispiel als Trump ein generelles Einreiseverbot für Muslime in die USA fordert. Oder als er Ted Cruz ("Scheußlicher Typ"), Hillary Clinton ("Wenn Hillary Clinton nicht einmal ihren Ehemann befriedigen kann, was lässt sie glauben, sie könnte Amerika befriedigen?") oder Frauen im Allgemeinen ("Schwangere Frauen sind für Unternehmer lästig.") aufs derbste beleidigt. Und jedes Mal wieder sprechen die Medien von einem herben Rückschlag. Einem unverzeihlichen Fehler, der ihm die Chancen auf die US-Präsidentschaft kosten wird. Doch siehe da: Er ist immer noch da. Erfolgreicher als je zuvor. Widersprüche und Beleidigungen? Sehr vielen US-AmerikanerInnen scheint das ganz egal zu sein. Das weiß auch Donald Trump. Anfang des Jahres sagt er: "Ich könnte jemanden mitten auf der 5th Avenue erschießen und die Leute würden mich trotzdem wählen". Vielleicht stimmt das sogar. Die WählerInnen fühlen sich von ihm  gehört und verstanden. Irgendwie, so scheint es, ist Trump einer von ihnen. Einer, aus dem Volk. Die Tatsache dass er Multimillionär ist, scheint dabei nicht zu stören.

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Grafik: Joanna Sumyk
Make America great again

Am 8. November wird entschieden, ob es tatsächlich Donald Trump sein wird, der ins Weiße Haus einzieht. Zumindest medial hat er bereits gewonnen. Trump "zieht". Die Leute wollen ihn sehen, egal ob sie ihn mögen oder nicht. Seine Sager gehen um die Welt, Interviewausschnitte mit ihm werden millionenfach geklickt und geteilt. Und Trump weiß das. Auch deshalb schießt er regelmäßig übers Ziel hinaus, das bringt Quote. 

Doch nicht nur das: Seine radikalen Aussagen heizen auch die Stimmung unter seiner Anhängerschaft auf. Das zeigt ein Video der New York Times, deren Reporter sich über ein Jahr lang unter die BesucherInnen von Trump-Kundgebungen geschmischt haben. Offene, fremdenfeindliche Parolen, nationalsozialistische Rufe und Hass gegen JournalistInnen sind darin zu sehen. Letzteres vor allem deshalb, weil Trump die Presse immer wieder als Lügner, Betrüger und Abschaum beschimpft. Unsere US-Korrespondentin Verena Gleitsmann versucht einen Einblick in das schwierige Verhältnis von Trump und den Medien zu geben.

Den Wahlkampfslogan „Make America great again“ ist übrigens nicht neu. Ronald Reagan hat ihn bereits für die US-Präsidentschaftswahlen 1980 verwendet. Seine Kampagne damals war erfolgreich.

09.08.16