EINE WOCHE. EIN THEMA.
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Sind wir jetzt alle gleich?
Schwule und Lesben haben in den letzten Jahren viel erreicht. Ab 2019 können gleichgeschlechtliche Paare laut Verfassungsgerichtshof auch in Österreich heiraten. Ein Meilenstein in dem jahrzehntelangen Kampf um Akzeptanz und Gleichstellung. Doch ist jetzt alles erreicht? QUERFELDeins ist diesmal in der Bundeshauptstadt unterwegs.
Wien ist anders
Text: Jürgen Pettinger

Wien präsentiert sich gerne als weltoffene Stadt. Jedes Jahr zur Regenbogenparade werden sämtliche Straßenbahnen mit Regenbogenfahnen beflaggt. Die Ampeln der Stadt blinken zum Teil mit hetero, schwulen und lesbischen Pärchen. Wiener Touristiker haben sogar eigene Kampagnen gestartet, um queere Urlauber in die Stadt zu bekommen. Auch in Sachen Liebe führt die Bundeshauptstadt österreichweit den Ton an: Allein Wien sind im letzten Jahr fast genauso viele eingetragene Partnerschaften geschlossen worden, wie in allen anderen Bundesländern zusammen.

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Sind jetzt alle gleich?

Ab 2019 dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Österreich offiziell heiraten. Der Verfassungsgerichtshof hat mit Erkenntnis vom 4. Dezember 2017 jene gesetzlichen Regelungen aufgehoben, die Schwulen und Lesben den Zugang zur Ehe bisher verwehren. Auch die eingetragene Partnerschaft soll für alle – sprich für auch Heteros – geöffnet werden. Doch der jahrzehntelange Kampf um rechtliche Gleichstellung ist damit längst nicht vorbei, wie diese QUERFELDeins-Reportage zeigt:

Video: Jürgen Pettinger & Gabriel Danis
Der lange Weg

Homosexuelle Menschen haben eine lange Geschichte an Diskriminierungen hinter sich. 1944 noch wurde ein damals erst 22-jähriger Mann von der NS-Justiz am Landesgericht Wien wegen mehrfacher homosexueller Kontakte als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher“ zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die entsprechenden Verbotsgesetze wurden auch nach dem Nazi-Regime in die Zweite Republik übernommen und erst unter Bruno Kreisky 1971 entschärft. Eine der wenigen politischen Entscheidungen: Fast alle folgenden Gleichstellungs-Maßnahmen wurden der Politik mehr oder weniger von Gerichtshöfen aufgezwungen. Genau wie jetzt die Ehe für Alle.

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Joanna Sumyk & Irina Oberguggenberger
Ungleiches gleich machen

Eine Umfrage des Market Institutes zufolge haben sich zuletzt 73% aller ÖstereicherInnen für die Ehe für alle ausgesprochen. Abstimmungen darüber sind im Parlament aber immer gescheitert. Vor allem an den Stimmen von ÖVP und FPÖ. Ausgerechnet diese beiden Parteien werden die Ehe für Alle umsetzen müssen.

Video: Irina Oberguggenberger & Lisa-Marie Gotsche
Keine Unterscheidung mehr möglich

Der Verfassungsgerichtshof spricht in seiner Entscheidung mehrfach von einem „bestimmten traditionellen Verständnis“ des Gesetzgebers. Demnach sei die Ehe vor allem auf Elternschaft ausgerichtet. Nachdem gleichgeschlechtliche Paare heute aber etwa genauso Kinder adoptieren oder - mittels künstlicher Befruchtung – gebären dürfen, sei keine Unterscheidung mehr möglich.

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15.12.17