EINE WOCHE. EIN THEMA.
E-Autos
Sie werden kommen. Sie werden bleiben. Die Frage ist nur: Wann? Und: Wie wird sich der Alltag dadurch ändern? [M]eins ist diese Woche elektrisch unterwegs und versucht, die brennenden Fragen rund ums E-Auto zu beantworten.
Begeistert mit E-Auto
Text: Arthur Einöder

"Manchmal machen wir uns einen Spaß, stellen uns zur Tankstelle und sagen: Einmal volltanken bitte!" Der Unternehmer Bernd Donner aus der Südoststeiermark ist begeisterter E-Auto-Fahrer. Tanken ist für ihn schon lang kein Thema mehr. Sein weißer 78.000-Euro-Tesla S braucht weniger als sechs Sekunden um auf Tempo 100 zu beschleunigen. "Autos waren mir nie so wichtig", sagt Bernd Donner, "aber dieses Auto ist ein Gamechanger".

Der eine schaut auf die Umwelt, der andere will ein lässiges Sportauto fahren.
Bernd Donner
Unternehmer und Tesla-Fahrer
Testfahrt im Luxus-E-Auto

Im Lager der E-Auto-Enthusiasten herrscht Aufbruchsstimmung. Gemeinsam mit anderen Tesla-Fahrern ist Bernd Donner im Tesla Club Austria organisiert. Wie ein Motorrad-Club, bloß eben für Tesla-E-Autos: Es gibt Ausfahrten, so genannte Silent Rallyes, man hilft den Neulingen beim E-Auto-Einstieg, verhandelt Versicherungs-Deals. Das Auto ist hier viel mehr als nur bloßes Fortbewegungsmittel. "Es sind komplett unterschiedliche Leute: Der eine schaut auf die Umwelt, der andere will ein lässiges Sportauto fahren." Was ist es, das Bernd Donner so schwärmen lässt? Er hat uns auf eine Testfahrt mitgenommen:

Video: Video: Arthur Einöder
Tesla und der Rest der Welt

70.000 Euro aufwärts: Die Lifestyle-Autos der US-Marke Tesla sind nicht für jedermann. In der österreichischen Zulassungsstatistik der "Elektrischen" im Monat Februar liegt Tesla trotzdem hinter Renault auf dem zweiten Platz. Die Modelle der Konkurrenz sind günstiger, müssen aber früher nachladen als der Tesla. Mitte des Jahres will Tesla mit der Produktion des preiswerteren "Model 3" beginnen: Rund 35.000 Dollar soll es kosten. Bernd Donner ist mit seinem E-Auto bis Stockholm gekommen. Groß planen musste er dafür nicht, das Navi in seinem Auto hat ihm stets die nächste Ladestation angezeigt. "350 Kilometer schafft mein Auto ohne Probleme", berichtet der Steirer.

In der Zukunft werden wir an den Tankstellen einen breiteren Mix haben. Benzin und Diesel wird es aber noch länger geben.
Robert Lechner
OMV-Unternehmenssprecher
E-Autos und Hybrid-Autos

Auf dem Markt findet man derzeit drei unterschiedliche E-Philosophien. Einerseits sind da die reinen E-Autos. Sie haben keinen Verbrennungsmotor: alles läuft elektrisch. Aufgeladen wird mit Kabel am Stromnetz. Dann gibt's die so genannten Plug-in-Hybride. "Plug-in" heißt "anstecken". Das sind also diejenigen Benzinfahrzeuge, die man für zusätzliche Reichweite und zum Spritsparen an den Strom anstecken und aufladen kann. Variante Nummer drei sind die "normalen" Hybrid-Fahrzeuge. Sie besitzen keine Ladevorrichtung fürs Stromnetz, sondern laden sich während der Fahrt selbstständig auf. In dieser Übersicht sind Österreichs beliebteste Elektro-Fahrzeuge zu sehen:

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Illustration: Magdalena Onderka, Redaktion: Arthur Einöder
Förderung für E-Autos

Wer möchte 3.000 bis 4.000 Euro Prämie geschenkt bekommen? Während anderswo beim Staat eisernes Sparen angesagt ist, lässt sich Österreich den Umstieg auf die Elektromoblität einiges kosten. Weg mit den feinstaub-ausstoßenden Diesel-Fahrzeugen und Benzinkisten! Her mit den leisen Elektroautos! Von wegen. Das Interesse an diesem Prämien-"Geschenk" hält sich einstweilen noch in Grenzen. Der Blick auf die Statistik zeigt: Es gibt zwar bereits knapp mehr als 10.000 Elektrofahrzeuge in Österreich. Damit haben die E-Autos jetzt zwar die Erntemaschinen (9.883) überholt, auf die Wohnmobile (über 20.000) fehlt aber noch ein gutes Stück.

In Österreich ist der Verkehr immer noch für 45% der Treibhausgase verantwortlich.
Andrä Rupprechter
Umweltminister, ÖVP
SPÖ und ÖVP sind sich einig

In Österreich sind SPÖ-Infrastrukturminister Jörg Leichtfried und ÖVP-Umweltminister Andrä Rupprechter die treibenden Kräfte hinter den E-Auto-Vergünstigungen. Regelmäßig treten die beiden Minister gemeinsam auf, um aktuelle Ideen und staatliche Maßnahmen im Bereich der E-Mobilität vorzustellen. Warum geht ausgerechnet bei diesem Thema etwas weiter, während anderswo Stillstand herrscht? "In Österreich ist der Verkehr immer noch für 45% der Treibhausgase verantwortlich", rechnet Minister Rupprechter vor. In diesem Video sind die Vergünstigungen für E-Auto-Fahrer zusammengefasst:

Video: Video: Arthur Einöder
Ist das E-Auto alltagstauglich?

Wie weit kommt man mit einem Elektrofahrzeug? "Für die allermeisten Strecken ist das E-Auto schon heute geeignet. 95% der Autofahrten der Österreicher sind kürzer als 50 Kilometer", sagt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). 50 Kilometer: Das schaffen selbst die schwächsten E-Autos mittlerweile locker. Woran scheitert die E-Mobilität in Österreich dann? Einerseits an den hohen Anschaffungskosten, andererseits wünschen sich viele mehr Lademöglichkeiten.

95 Prozent der Autofahrten sind kürzer als 50 Kilometer.
Christian Gratzer
Verkehrsclub Österreich (VCÖ)
"Tanken" unterwegs wird die Ausnahme

"Dort, wo das Auto am längsten steht, sollte es auch geladen werden", sagt Martin Litschauer, Energieexperte und E-Auto-Pionier. Soll heißen: Die Haupt-Tankstelle steht daheim. Ohne sinnvolle Lademöglichkeiten in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz braucht man über eine Anschaffung gar nicht erst nachdenken. Sollte eine Fahrt doch einmal länger dauern, ist man auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen. Die großen Energieversorger Österreichs haben sich im März für ein neues Projekt zusammengeschlossen. Sie wollen die flächendeckende Versorgung Österreichs mit E-Tankstellen gewährleisten. Tanken ohne Zapfsäule? Wie funktioniert das und wie lang dauert es? Wir haben das an einem der 631 Standorten der Energieversorger ausprobiert:

Video: Video: Simone Grössing
Die unübersichtliche Welt der Ladestationen

Die Sache mit den Ladestationen unterwegs ist für E-Auto-Anfänger oft unübersichtlich. Es gibt verschiedene Stromanbieter; jeder dieser Anbieter hat mehrere unterschiedlich "schnelle" Ladestationen am Netz. Von der Schnellladestation, die teilweise in 20 Minuten das Auto lädt, bis zur Steckdose für äußerste Notfälle, die zum Vollladen acht Stunden oder mehr brauchen würde. Die Bezahlmodalitäten sind je nach Anbieter unterschiedlich. Die üblichen Stromnetzbetreiber sind im Geschäft, eigene E-Auto-Lade-Unternehmen stellen Säulen auf, manche Benzin-Tankstellen bieten Ladeservices an, und sogar Autohersteller selbst steigen als Stromanbieter ein. Um einen Überblick zu bewahren gibt es Apps und Webseiten, die all diese Ladestationen verzeichnen (BEÖ, Smatrics)

Video: Video: Arthur Einöder
Wann ist es soweit?

Wann steigt Österreich auf die E-Mobilität um? Konkreten Fahrplan, wann wie viele E-Autos auf den Straßen unterwegs sein sollen, gibt es keinen. Die Politik schafft mit ihren Prämien Anreize: Die Entscheidung liegt (noch) beim Autofahrer selbst. In anderen Ländern geht man strenger vor. Paris, Madrid und Mexiko-Stadt haben bereits das Aus für Diesel-getriebene Fahrzeuge angekündigt. Ab 2025 wird es in diesen Städten ein Fahrverbot geben. Die Bürgermeister wollen die Lebensqualität erhöhen, und die lästige Smog-Glocke über ihren Städten beseitigen. In Norwegen wird es zwar kein Fahrverbot geben, allerdings hat das Land bereits angekündigt, ab dem Jahr 2025 keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr neu zuzulassen. Ein ganzes Land steigt um: Wie soll das funktionieren? In diesem Video werfen wir einen Blick nach Norwegen, das von vielen als "Vorbild" in Sachen Mobilität genannt wird.

Video: Video: Simone Grössing
Keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr in Norwegen

Norwegen lebt heute von der Öl- und Gasförderung. Dass ausgerechnet dort der Ausstieg aus der fossilen Energie im Straßenverkehr beginnen soll, wirkt widersprüchlich. Beim großen norwegischen Tankstellenbetreiber CircleK sieht man das gelassen: "Die Tankstellenshops werden wichtiger", sagt Manager Anders Kleve Svela. Er sieht die Sache pragmatisch: "Ein gewöhnlicher Tankstellenkunde hält sich 2 Minuten bei uns auf, ein durchschnittliches Elektroauto benötigt rund 15 bis 30 Minuten zum Schnelladen." Längere Aufenthaltsdauer - mehr Konsum am Tankstellen-Shop? Oder wie es der steirische E-Auto-Enthusiast Bernd Donner ausdrückt: "Dann trinkt man halt einen Kaffee und hat mehr Zeit zum Genießen."

30.03.17