EINE WOCHE. EIN THEMA.
Impressum
Nr. 99
Neue Gerechtigkeit
Nr. 98
Der tiefe Absturz der Grünen
Nr. 97
Money For Nothing?
Nr. 96
Der Pflegefall
Nr. 94
Verhüllen Verboten
Nr. 93
Die High Speed Gemeinde
Nr. 92
Wenn eine Stadt verwaist
Nr. 91
Frank Over
Nr. 90
In der Hoch­sicherheits­gemeinde
Nr. 89
Matura - und jetzt?
Nr. 88
Die Roten und die Blauen
Nr. 87
Der IS - eine Bestandsaufnahme
Nr. 86
Österreich ohne Stau
Nr. 85
"Ich werde Politiker"
Nr. 84
Die Monarchie und wir
Nr. 83
Kurz zusammen­gefasst
Nr. 82
Vermisst
Nr. 81
Ich mach mir die Welt...
Nr. 80
Mindestens Haltbar Bis...
Nr. 79
Aufs Impfen schimpfen
Nr. 78
Ausgemustert
Nr. 77
USA vs CHINA
Nr. 76
E-Autos
Nr. 75
Männersache
Nr. 74
Fremdes Herz
Nr. 73
Land der Hürden
Nr. 72
Gefühlt unsicher
Nr. 71
50 Jahre Weltcup
Nr. 70.2
TOPEINS
Nr. 70
Skifoan. und zwar live!
Nr. 69
Kampf den Radikalen
Nr. 68
Die Rückkehr der Bunker
Nr. 67
Vom Leben nach dem Beben
Nr. 66
Ist das korrekt?
Nr. 65
So läuft der Cyberwar
Nr. 64
Pump it up!
Nr. 63
Was bringt die Zukunft?
Nr. 62
Ärzte (in der) Mangel
Nr. 61
Es ist vorbei!
Nr. 60
12 Monate Wahlkampf
Nr. 59
Fakebook
Nr. 58
Ritze Ratze Rechtsstaat
Nr. 57
Bye Bye, Barack Obama!
Nr. 56
Sterben... und dann?
Nr. 55
Mehr Heer!
Nr. 54
Bauch-Entscheidung
Nr. 53
Der Mensch der Zukunft
Nr. 52
Daheim in Aleppo
Nr. 51
Aufgebrezelt
Nr. 50
Mittendrin im Verbrechen
Nr. 49
Kriminalfall Skandalwahl
Nr. 48
Settele in der Loge
Nr. 47
Der längste Wahlkampf
Nr. 46
Vom Leben am Minimum
Nr. 45
Platsch!
Nr. 44
Ein Trump als Präsident
Nr. 43
Schneller, höher, stärker
Der IS und seine neue Strategie
Im Juni 2014 hat die Terrormiliz IS das Kalifat ausgerufen und seither mit allen, noch so grausamen Mitteln versucht, dieses Vorhaben umzusetzen. Drei Jahre später scheint der IS davon sehr weit entfernt. Doch so erfolglos die Gründung eines islamischen Staates bisher war – die Ideologie ist stärker verbreitet denn je.

Die Stadt Rakka im Norden Syriens wird oft als die Hauptstadt des IS bezeichnet. Rakka ist von Gegnern umzingelt  - kurdischen und arabischen Milizen, die sie sich unter dem Dach der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vereint haben. Mit Unterstützung der USA haben sie eine Offensive auf Rakka gestartet und sind von Ost und West bereits in die Stadt eingedrungen. 

Der Grund, warum sich der IS gegen die militärische Kraft seiner Gegner noch halten kann, sind vor allem die als Schutzschild verwendeten Zivilisten. Geschätzte 150.000 von ihnen stehen zwischen den Fronten.

Video: Rita Korunka
Kampf um Mossul

Die Situation ist ähnlich wie in der zweiten verbliebenen IS-Hochburg, dem irakischen Mossul. Auch hier dienen die Zivilisten als Puffer, auch hier geht die Bekämpfung der Dschihadisten nur langsam voran. Die irakischen Regierungstruppen kämpfen sich seit bald einem Jahr immer weiter vor. Eine endgültige Rückeroberung wird aber noch dauern

"Einerseits hat der IS überall in der Altstadt Durchbrüche von Haus zu Haus, manchmal von Raum zu Raum gestemmt, um nicht auf die Straße gehen zu müssen, hat Löcher in Wände gebohrt für Scharfschützenpositionen, hat vielfach Minen gelegt. In manchen Gegenden hat er weitverzweigte Tunnelnetze gegraben, womit er oft schon 2014 begonnnen hat", erzählt der deutsche Journalist Christoph Reuter. Er war Ende Mai in Mossul an der Front.

Der IS hat überall in der Altstadt Durchbrüche von Haus zu Haus, manchmal von Raum zu Raum gestemmt, um nicht auf die Straße gehen zu müssen.
Christoph Reuter
Kriegsreporter

"Aber was er mit erstaunlichem Erfolg wieder und wieder tut, auch in Mossul, ist: die Maskerade. Irgendwo auftauchen in den Uniformen der irakischen Natinoalpolizei, der Armee, in Kurdistan als Kurden-Kämpfer (die auch Kurdisch sprachen), in syrischen Rebellengebieten als Rebellengruppe, etc. Sie schlagen dann oft hinter der Front zu, die meisten sind hinterher tot, aber der Effekt auf die Gegner ist verheerend", so der Journalist.

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Grafik: Joanna Sumyk
Kein „Gut gegen Böse“

Was man nicht vergessen darf: Jede Gruppe, die gegen den IS kämpft, hat auch eigene Interessen. Es kämpft nicht "Gut" gegen "Böse" - die Gegner der Terrormiliz sind nicht nur die Helden, die Zivilisten retten.

So plündern auch irakische Spezialeinheiten des Militärs bei ihren Befreiungszügen in den Vororten von Mossul Wohnungen und Häuser, vergewaltigen Frauen und foltern Gefangene zu Tode. Für die Zivilisten gibt es praktisch kein Entkommen. Sie sind eingekesselt und ihre Fluchtwege längst abgeschnitten

Video: Elisabeth Semrad
„Es wird kein Kalifat geben“

Auch wenn die Rückeroberung Mossuls und Rakkas andauert - eines ist jetzt schon klar: Es wird kein Kalifat geben. Das sagt der ORF-Reporter Friedrich Orter, der jahrelang aus Krisengebieten wie dem Irak und Syrien berichtet hat.

Mehr als zwei Drittel des einst eroberten Gebiets habe der IS bereits verloren. Das Geld gehe aus und auch die Kämpfer. Gegen die Luftangriffe der USA und der Russen komme die Terrormiliz einfach nicht an. 

Mehr als zwei Drittel des einst eroberten Gebiets, hat der IS bereits verloren.
Friedrich Orter
Reporter
Der IS ändert seine Strategie

Doch auch wenn der Traum eines Kalifats wohl geplatzt ist – global gesehen ist der IS stärker denn je. Mit einer veränderten Strategie.

Statt junge Menschen aus Europa für den heiligen Krieg in Syrien und dem Irak zu rekrutieren und sie dort um ein verlorenes Kalifat kämpfen zu lassen, ermutigt sie die Terrorgruppe nun dazu, in ihren Heimatländern zur Tat zu schreiten. Unter dem „Label“ IS sollen sie die westliche Gesellschaft mit Terrorangriffen destabilisieren. Quasi wie bei einem Franchise-Unternehmen, sagt der Politologe Thomas Schmidinger. Mit Erfolg, wie die jüngsten Anschläge in Manchester und London zeigen. 

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Grafik: Joanna Sumyk
Video: Isabella Purkart
Global vernetzt

Dazu kommt, dass sich der IS weltweit vernetzt. Lokale islamistische Terrorgruppen gibt es etwa auf den Philippinen, in Indonesien, Südthailand oder Bangladesh oder auch in Westafrika schon seit Jahrzehnten. Jetzt aber finden sie sich unter dem großen Deckmantel IS zusammen, schließen sich ihm an, vernetzen sich, lernen voneinander und werden dadurch gestärkt. 

Video: Simone Grössing
Pulverfass Afghanistan

„Meine Befürchtung ist, dass das was nachkommt, viel schlimmer ist als ein islamischer Staat, nämlich eine global vernetzte Terrororganisation, die jederzeit abrufbar ist“ sagt Orter.

Als besonderen Hotspot sieht er Afghanistan. Auch hier ist der IS sehr aktiv, unterwandert die Taliban und deren Strukturen. Brisant ist das vor allem deshalb, weil Afghanistan als Rückzugsort für Pakistan gilt. Eine Atommacht, die im Clinch mit der Atommacht Indien liegt. Alles zusammen ergibt ein Pulverfass, das zu explodieren droht.

Video: Simone Grössing
Terror und Alltag

„Terrorismus wird in Europa nie zu einer realen Gefahr für die Mehrheit der Bevölkerung werden. Es sterben weiterhin sehr viel mehr Menschen im Autoverkehr oder an Herzverfettung, als an terroristischen Anschlägen", so Schmidinger.

Klar ist aber: Der IS hat seine Terror-Aktivitäten stark ins Ausland verlagert. Das zeigt auch der Anschlag im Iran. In Europa werden uns Anschläge noch viele Jahre begleiten, sind sich Orter und Schmidinger einig. Sowohl größere Attentate lokaler terroristischer Zellen als auch kleinere Anschläge, die von Einzeltätern verübt werden.

13.06.17