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Allein im Kampf gegen den Klimawandel
In Zwischenwasser in Vorarlberg wird der Schnee von Jahr zu Jahr weniger. Die Gemeinde mit eigenem Skigebiet möchte das aber nicht hinnehmen und versucht deshalb das Unmögliche: Sie will die globale Erwärmung stoppen.
Der Schnee schmilzt
Text: Isabella Purkart

Auf den Gipfeln der umliegenden Schweizer Berge hat es schon geschneit. Das kleine Skigebiet Furx in der Gemeinde Zwischenwasser liegt aber viel tiefer. Hier, auf etwa 1.100 Meter Seehöhe, kämpft man in den letzten Jahren mit Schneemangel. Die Skisaison wird immer kürzer. Hier spürt man den Klimawandel schon jetzt. 

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Noch wird auf der Alpe Furx nicht künstlich beschneit. Wenn die Erderwärmung in diesem Tempo weitergeht, muss die Gemeinde aber früher oder später eine Entscheidung treffen: Zusperren oder groß in Beschneiungsanlagen investieren. Wie das zu einer vorbildlichen Klimaschutzgemeinde wie Zwischenwasser passt? Mit den hochtechnischen Schneeanlagen, wie es sie bereits gibt, wäre es möglich, umweltfreundlich zu beschneien, sagt der Skilift-Betreiber Jürgen Bachmann. „Wir könnten sie mit unserem eigenen Wasser, das nicht aufbereitet werden muss, bedienen. Den Stromverbrauch könnte man mit Photovoltaikanlagen abdecken.“

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Kein Licht ab Mitternacht

Zwischenwasser hat eine Mission: Den Kampf gegen den Klimawandel. Die 3200-Einwohner Gemeinde möchte möglichst viel Energie selbst herstellen oder sogar ganz einsparen. Wie das geht? Die meisten Straßenlaternen werden um Mitternacht abgeschaltet. Energie wird aus der Sonne oder übers gemeindeeigene Biomassekraftwerk gewonnen. Mit E-Autos der Gemeinde werden Kinder aus den entlegenen Teilen der Ortschaft in die Schule und den Kindergarten gebracht. Damit und mit noch vielen weiteren Maßnahmen schafft es Zwischenwasser, eine der energieeffizientesten Gemeinden in Österreich und in ganz Europa zu sein. 

Video: Video: Isabella Purkart & Gabriel Danis
Allein gegen die Welt

Ein 3.200-Seelen-Ort im Alleingang gegen die globale Erwärmung. Das mag aussichtslos klingen. Ganz allein ist Zwischenwasser aber nicht. Der Ort ist im e5-Programm, das Gemeinden dabei unterstützt, möglichst viel für den Klimaschutz zu tun. Auch im Klimabündnis Österreich, das Gemeinden auf der ganzen Welt im Kampf gegen den Klimawandel zusammenbringt, ist Zwischenwasser aktiv. Um den Klimawandel wirklich zu stoppen, müssten die Anstrengungen aber auf höherer Ebene erfolgen. Ein Versuch war das Kyoto-Protokoll, das 1997 beschlossen, aber erst acht Jahr später in Kraft getreten ist. Die teilnehmenden Industrieländer verpflichten sich im Abkommen, ihren Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren – und die meisten Länder haben ihre Verpflichtungen auch erfüllt.

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Österreich ist Klimasünder

Österreich ist neben Ländern wie den USA einer der wenigen Staaten, die sich nicht an die Ziele des Kyoto-Protokolls gehalten haben. Das Nachfolgeabkommen von Kyoto ist das Übereinkommen von Paris. Bei der Weltklimakonferenz in Bonn wird gerade verhandelt, wie die konkrete Umsetzung des Abkommens ausschaut. Die USA sind als einziges Land nicht dabei. Donald Trump hat bereits im Juni verkündet, dass die USA aus dem Abkommen aussteigen werden, da es sein Land benachteilige.

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Grafik: Magdalena Onderka, Redaktion: Isabella Purkart
Wer bekommt die Rechnung?

Eine Milliarde Euro kostet der Klimawandel Österreich jedes Jahr, so die Berechnung des Klima- und Energiefonds. Die Landwirtschaft kämpft mit Ernteausfällen durch Frost, Dürren oder Hochwasser. Die Tage mit über 30°C nehmen zu. In Wien gab es heuer fast doppelt so viele Tropennächte wie in einem durchschnittlichen Sommer. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird die Schneedecke der Alpen um 70 Prozent zurückgehen, prognostizieren Schweizer Forscher. Skifahren in Skigebieten unter 1200 Metern wäre dann nur mit Naturschnee nicht mehr möglich. Davon betroffen wären 90 Skigebiete in Österreich, darunter die Alpe Furx in Zwischenwasser. Der Sommertourismus wird von wärmeren Temperaturen zwar wohl profitieren, allerdings nicht genug, um die Verluste vom Winter wettzumachen.

Video: Video: Simonne Grössing & Niki Riss
Maximum: Zwei Grad

Als äußerste Grenze, um die sich die Erde erwärmen kann, gelten zwei Grad. Sonst drohen kaum tragbare Folgen für die Menschheit. Das Eis an den Polkappen wird weiter schmelzen, der Meeresspiegel ansteigen und Wetterextreme zunehmen. Schon jetzt ist die Erde um 1,2 Grad wärmer geworden. Trotzdem geht der Ausstoß von Treibhausgasen weiter und ist sogar auf einem neuen Höchststand. Die Zeit ist knapp. Bei der Weltklimakonferenz in Bonn herrscht alarmierte Stimmung. Gefordert wird ein geeintes Vorgehen beim Klimaschutz. Dass die USA da nicht mitmachen, hilft dabei nicht. In der kleinen Vorarlberger Gemeinde Zwischenwasser lässt man sich davon aber nicht beirren. Hier herrscht die Ansicht vor: Nur wenn jeder bei sich im Kleinen anfängt, kann überhaupt etwas gegen den globalen Klimawandel getan werden.

10.11.17